1. Leonie - zu Besuch im Gefängnis


    Datum: 05.04.2018, Kategorien: Schamsituationen, Autor: GrafGuttenberg, Quelle: Schambereich

    dünne Verpackung auf und wirft es in den Papierkorb. Am liebsten würde ich ihm jetzt die Augen auskratzen, doch ich stehe nach wie vor, nur jetzt noch sichtlich verlegen, geduldig vor ihm. Immer zu denke ich daran, bald in Mehmets Nähe sein zu können, seiner Stimmer, seinen Worten zu lauschen, was ich tun kann, um ihn wieder nach Hause holen zu können. „Oturunuz!“, reißt mich seine barsche, tiefe Stimme aus meinem Tagtraum. Seinem Finger folgend sehe ich einen alten Holzstuhl, auf den ich schnell zu gehe und mich wie befohlen setze. Wartend, dass es bald weitergeht, ich zu ihm kann, grault es mich bei dem Gedanken, wie dieser grimmig und geruchsintensive Mensch mir vorhin einfach durchs Haar ging, mich berührte mit seinen großen, dunkelhäutigen, groben Händen. Auch jetzt wieder starrt er zu mir rüber, fixiert mich mit ernster Mimik, kein Ausdruck des Lächelns, selbst als ich ihn freundlich ansehe nichts als verknöcherte, missachtende Blicke. Ein weiterer Uniformierter kommt herein, sehr groß und breit mit gepflegtem Äußeren, geht direkt auf mich zu. Ich stehe sofort auf, hoffe, er bringt mich zu meinem Freund. „Guten Tag, junge Frau., wie darf ich Sie ansprechen, wie heißen Sie?“ Meine Mundwinkel ziehen sich sofort freudig nach oben, ‚er spricht deutsch!’ „Wieland, auch guten Tag, Leonie Wieland.“ Ich reiche ihm die Hand und setze nach: „Ich möchte meinen Freund besuchen, Mehmet Erigan, er sitzt hier in Untersuchungshaft, ich habe eine Besuchsgenehmigung. Toll, dass sie mich ...
    verstehen. Sie verstehen mich doch?“ Meine Hand nicht entgegennehmend nickt er nur stur und mustert mich von oben bis unten wie der Grimmige dahinten. „Dann kommen Sie mal mit mir, Ihr Mehmet wird sicher schon ungeduldig auf Sie warten“. Er lässt sich die Bescheinigung geben und bittet mich, ihm zu folgen. Es geht über einen langen gepflasterten Weg, der sich bis zum Hauptgebäude sicher knapp 50 m zieht. Mehrmals stolpere ich mit meinen Pumps und bitte ihn, doch nicht so schnell zu gehen. „Ich heiße übrigens auch Erigan und bin die ersten knapp 20 Jahre in Deutschland aufgewachsen. Sie haben Glück, dass ich heute Dienst habe, denn sonst spricht hier keiner Ihre Sprache. Kommen Sie, wir sind gleich da.“ Ohne auch nur einen halben Schritt langsamer zu werden, eile ich ihm - ab und an leicht umknickend – wie ein Hündchen hinter ihm her. „Ja, das merkt man, Sie sprechen ein hervorragendes Deutsch. Sie sind aber nicht verwandt mit meinem Freund?“ „Gott bewahre, in meiner Familie gibt es keine Kriminellen.“ „Mehmet ist kein Krimineller, wie Sie das nennen!“ „Nein, nein, sicher nicht, hier gibt es nur redliche Menschen im Gefängnis, keiner von den Gefangen tat je einem anderen etwas zu Leide. So, da wären wir.“ Überall Kameras, die uns beobachten. Es wirkt alles so unwirklich, so gespenstig, diese große stählerne Türanlage, Gitter überall vor den Fenstern, ein roter, massiver Backsteinbau aus den 1950er oder 40er Jahren. Die Wechselsprechanlage brummt, eine türkische Männerstimme, ...
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