1. Wintermädchen


    Datum: 15.02.2018, Kategorien: CMNF, Autor: Micha13, Quelle: Schambereich

    Es ist der 23. Dezember, draußen ist es eisekalt, Stürme pfeifen durch die Straßen, und ich bin alleine in der schönen Erdgeschosswohnung. Mareike begann vor 4 Wochen, an mir ihren Frust über ihre Entlassung auszulassen; es war nicht mehr auszuhalten, sie suchte und fand jede Gelegenheit zum Streiten und Maulen mit mir; zu Nikolaus fiel ihr ein, ich sei zu intellektuell und zu sexbessenen und hätte zu wenig Haare. Vor 2 Wochen zog sie mit ihrer Katze zu ihrer besten Freundin, die mit dem dicken Busen, die Mareike immer schon so angemacht hatte, dass ich jedes Mal richtiggehend eifersüchtig wurde. Aber ich muss gestehen, seitdem habe ich mich etwas erholt: ich kann fernsehen, wann und was ich will, ich kann trinken, wann und was ich will, ich kann wieder rauchen, wann und was ich will, sogar in der Wohnung, und nicht mehr auf der nass-kalten Terrasse, ich kann mit Freunden, sogar mit Ex-Freundinnen, telefonieren, wann und worüber ich will, ohne weitere Rücksichtnahmen; es lebe die Freiheit! Jedoch, etwas fehlt mir; alle Freunde und Verwandten, Bekannten und Arbeitskollegen raten mir, das Lotterleben aufzugeben; ich muss für meine Gefühlswelten sorgen, bin aber von Beziehungskisten so gestresst, dass ich sehr wählerisch geworden bin. Keine Bevormundungen mehr, keine noch so Nette, die sagt, was ich tun oder lassen darf, ich brauche eine, die zu mir passt und zu der ich passe, basta! Aber wo sind sie, diese goldenen Stecknadeln? Ich hole mir ein Glas warmen Punsch, streife den ...
    mintgrünen Trainingsanzug über, den Mareike so hasste, stelle die Glotze an und sehe heute zum vierten Mal die Tagesschau - es klingelt. Ich erwarte niemanden mehr; soll er doch woanders klingeln und für Weihnachten sammeln - es klingelt. Oh Mann, ich hatte mich gerade so gemütlich in meinen Sessel gemummelt, und nun werde ich von diesem blöden Gebimmele gestört - es klingelt. Ich werde wütend, stehe auf, gehe an die Türe, mache sie auf und will gerade etwas Unweihnachtliches sagen, da blicke ich in zwei große, blaue Augen in einem ganz süßen Gesicht, umrahmt von gold-gelben Locken unter einer roten Nikolausmütze in einem roten Umhang mit weißen Bordüren und wie von fern höre ich, wie die roten Lippen ein "Frohe Weihnacht" hauchen; mir wird ein Geschenk in die Hand gedrückt. Da stehe ich in meinen mintgrünen Trainingsanzug in der Kälte, halte das Geschenk fest und blicke tief in diese Glitzeraugen; ich vernehme noch ein gehauchtes "Frohe Weihnacht" und verliere die Glitzeraugen aus meinen Augen; ich bekomme irgendwie mit, dass dieses Wunderwesen sich umdreht und gehen will; in mir läuten auf einmal alle Glocken, ich schüttele meine Kopf und halte das Wesen an seinem roten Umhang fest, der sich daraufhin löst und fest in meiner Hand bleibt. Das Wesen erschrickt, als es auf einmal nur noch in seiner knappen Weihnachtskorsage in der Kälte steht; es kreuzt schnell die Arme vor der Brust und reibt mit den Händen über die Oberarme; ich erschrecke, als ich das kleine rot-weiße Etwas ...
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