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London Calling 01
Datum: 08.10.2017, Kategorien: Erotische Verbindungen,
endlich raus war. Als Dreingabe kriegte ich dann auch noch gute Ratschläge von dem Bouncer. „Junge, wenn in dieser Stadt durchkommen willst, musst du cleverer werden. Du bist in London, Mann. Hier heißt es fressen oder gefressen werden. Kapiert? Was hat so 'n Bengel wie du hier überhaupt verloren? Die Stadt ist eine große Pussy. Mach einfach die Augen auf. Und nun verpiss dich." Mit ganz schön ramponiertem Selbstbewusstsein saß ich in dem Pub, in dem Karl Marx einen Teil seiner Werke verfasst hatte. Die ausgebeuteten Massen erreicht hatte. Was für eine passende Lokalität nach meinem überstandenen Abenteuer. Ich unterhielt mich eine Weile mit einem mittelalten Mann an der Bar, über Gott und die Welt, am Ende recht engagiert über Fußball. Er machte es zu seiner Mission mir alle Teams der Premiere League vorzustellen, ihre Stärken und Schwächen im Detail aufzuzeigen. Er gab mir gleich ein Bier aus, so brauchte ich mich nicht mal die ganze Zeit an einem einzigen hochzuziehen. Wir waren richtig in ein Gespräch vertieft, als sich plötzlich schlanke Arme um meinen Hals schlangen. „Du bist noch hier. Großartig. Ich hatte schon Bedenken, weil ich so spät erst weggekommen bin." Beim Blick auf die große Uhr im Pub sah ich, dass sie tatsächlich zwanzig Minuten zu spät dran war. „So alter Mann, genug gefaselt. Das ist mein Date. Aber danke, dass du ihn bei der Stange gehalten hast." Er lachte. „Junge, da hast du dir was Ordentliches angeschafft. Von Bräuten wie der können alte Männer wie ... ich nur träumen ... oder, Schätzchen? Hab ich vielleicht doch eine Chance?" „Du kriegst ein Bier von mir. Das ist das Ausmaß deiner Chancen." „Bier ist immer gut. Feines Mädchen biste. Feines Mädchen. Du hast Geschmack, Junge. Vergiss meine Worte nicht. Nächste Saison wird Arsenal niemand stoppen können." Wir wanderten mit den Getränken an einen Tisch, um unsere Ruhe zu haben. Sie nestelte an ihrer Handtasche herum und schob mit einer schnellen Bewegung zwei Zwanziger auf den Tisch. Ich verzog gequält das Gesicht. „Das finde ich aber irgendwie auch Scheiße. Ich finde das echt toll von dir, als Geste und so, aber du brauchst das nicht zu machen. Ich werde nicht von heute auf morgen am Hungertuche nagen. Wenn du mir deinen Bouncer nicht auf den Hals hetzt, kann ich dir ja gestehen, dass ich noch ein paar hundert Pfund habe." „Kriegst du denn noch keine Dole? Sozialhilfe?" „Meinst du, ich könnte die hier so ohne weiteres kriegen? Eigentlich habe ich in Deutschland sogar noch ein Anrecht auf Arbeitslosengeld." Das hatte ich dort auch bekommen, bevor ich mich artig abgemeldet hatte. Aber es resultierte aus der Umschulungszeit. Ob die britischen Behörden dies ebenfalls als Grundlage anerkennen würden? „Na siehst du, geh hin, mach es einfach. Klar, ist doch alles ein Topf, von wegen europäische Gemeinschaft und so. Aber bitte nimm das Geld, sonst beleidigst du mich. Verstanden?" Sie konnte sehr überzeugend sein. Ob das mit dem Job zusammenhing? Na ja, ich konnte mir keinen falschen ...