1. Cora Teil 01


    Datum: 04.04.2017, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    scheinbare Chaos. „Nett hast du es hier" waren die ersten Worte, die er von ihr hörte. Klang das etwa ironisch? Sie hatte eine für ihn wohlklingende Stimme, etwas heiser, fast hauchend, jedoch mit einem Unterton, der ihm sofort tief in das Bewusstsein drang. Ihr Blick wanderte, scheinbar alles in sich aufnehmen wollend, einmal durch das gesamte Zimmer und blieb, nachdem sie ihren Rundblick abgeschlossen hatte, an ihm hängen. Sie musterte ihn mit leicht verschleiertem Blick, den er auf ihren Alkoholkonsum zurückführte, abschätzend von oben bis unten, so, als würde sie erstmals einem Wesen von einem anderen Stern gegenüberstehen. Josh bot in seiner abgewetzten und mit Lötresten bespritzten Jeans und dem verwaschenen Oberteil seines Jogginganzuges, das auch die Spuren seiner Arbeit trug und farblich nicht einmal zu der Jeans passte, mit einiger Sicherheit nicht dazu bei, einen positiven und einnehmenden Eindruck auf sie zu machen. Es schien sie aber auch nicht besonders zu stören. „Danke, dass du mich bei dir telefonieren lässt. Die Mickey Maus da drüben" - damit meinte sie wohl ihren Bekannten, Tobias - „hat leider keins. Hast du vielleicht ein kaltes Bier für mich?" „Ich denke, Sie wollen doch wohl erst einmal telefonieren. Währenddessen hole ich Ihnen ein Bier", erwiderte er und zeigte ihr, wo auf seinem Arbeitstisch das Telefon stand. Sie setzte sich auf seinen Bürostuhl, beugte sich sehr nah zu der Tastatur herunter, blinzelte, sagte: „Ich sehe nicht so besonders gut, hab ...
    außerdem meine Kontaktlinsen nicht drin," und fing an, langsam und bedächtig eine Nummer einzutippen, die wohl in Hamburg ihr Ziel haben musste, wie er aus den Bewegungen ihrer schlanken Finger über den Tastaturblock entnahm. Da wandte er sich ab, ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und holte umständlich zwei Dosen Bier heraus, ließ sich also Zeit, damit sie in Ruhe und von ihm unbeobachtet telefonieren konnte. Nichts desto Trotz war es Josh unmöglich, das nachfolgende Gespräch nicht doch akustisch mitzubekommen -- zumindest das, was sie mit ihren Kindern besprach - da die Küche und das Wohnzimmer dem amerikanischen Stil, also ohne Trennung und damit übergangslos ineinander übergehend und nur durch eine Stufe vom Wohnraum abgehoben, nachempfunden ausgeführt war. „Hallo, mein Schatz, wie geht es dir?" hörte er, ohne feststellen zu können, ob sie mit einem Mädchen oder einem Jungen sprach. „Nein, ich bin nicht in einer Telefonzelle", sagte sie, nachdem eine kurze Weile verstrichen war. „Ich bin in einer mir fremden Wohnung und will nur wissen, ob es euch gut geht." Wieder eine Pause, diesmal länger. „Mache dir keine Sorgen, mein Schatz, mir geht es gut. Hat euer Vater euch was erzählt?" Diesmal folgte eine noch längere Pause, während derer sie unvermittelt in Tränen ausbrach und sich, wie ihm schien, sehr stark beherrschen musste, um nicht laut aufzuschluchzen. Sie stützte ihren Kopf mit der freien Hand an der Stirn und mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab, sah plötzlich ...
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