1. Eine Pflanze mit Pfiff


    Datum: 19.02.2017, Kategorien: Sonstige,

    öffnete mit meinen gespreizten Fingern einen der Blütenkelche und schnitt die Staubgefäße vorsichtig heraus, worauf sie auf eine kleine flache Schale fielen, die ich darunter hielt. Sie sahen wirklich nicht gefährlich aus. Wären sie rot gewesen, hätte man sie mit Safran verwechseln können. So gesehen konnten sie doch eine Wirkung hervorrufen, denn wenn man sich überlegte, wie wenige Safranfäden man für ein Gericht brauchte, dann sah die Sache schon anders aus. Aber davon ließen wir uns nicht ablenken, sondern trugen sie vorsichtig in Richtung Tisch, damit der leichte Luftzug sie nicht aus der Schale wischte. Dann saßen wir beide uns wieder gegenüber und sahen die winzigen Stängel mit den Verdickungen am Ende an. Ein wirklich unschuldiger Anblick. Vor allem kam uns die Dosis viel zu gering vor. So kleine Dinger konnten keine große Wirkung erzeugen. Darum teilten wir sie auf. Jeder von uns bekam drei von ihnen auf seine Seite geschoben. Wir zögerten, obwohl wir nicht wussten, warum. Sie würden uns schon nicht umbringen, davon waren wir überzeugt, aber wir hatten vor einer Wirkung Respekt, welcher auch immer. Eigentlich hätte nur einer von uns sie nehmen sollen, damit der andere aufpasste, aber das kam uns nicht in den Sinn. "Auf denn!", meinte ich nur, befeuchtete einen Finger und drückte diesen leicht auf die drei Stängel. Sie blieben aufgrund der Feuchtigkeit daran kleben und ich konnte sie einfach von der Unterlage heben und in den Mund stecken. Nadja zögerte noch etwas und ...
    sah mich erst erwartungsvoll an. "Und?", fragte sie neugierig, "wonach schmecken sie?" Ich konnte sie in meinem Mund kaum wiederfinden, so klein waren sie, aber ich schaffte es dann trotzdem, ein wenig darauf herumzukauen. Sie schmeckten zu meiner Enttäuschung nach gar nichts. Es war, als wenn man auf etwas vollkommen Geschmacklosem herumkaute. Geschmacklich wie unbehandeltes Esspapier. "Lecker!", sagte ich, "Schmeckt nach Lakritze!", log ich und animierte Nadja damit dazu, sie ebenfalls zu probieren. Sie kopierte die Art, wie ich sie behandelt hatte, und kaute schon wenig später darauf herum. "Weiß nicht, aber mir schmecken sie nach gar nichts. Sind vollkommen neutral!" Sie machte bei dieser Feststellung ein konzentriertes Gesicht, als wenn sie geradezu danach forschte, wo der Lakritzgeschmack wohl hin war. Als sie mich dann ansah und mein amüsiertes Gesicht sah, wurde ihr klar, dass ich sie verkohlt hatte. Da ich noch vorgebeugt am Tisch saß, boxte sie mir relativ kräftig gegen eine meiner Arme und verzog ein schmollendes Gesicht. Sie sah so niedlich dabei aus, dass ich lachen musste. Dann ließ ich mich weiter nach hinten sinken und war schon wenige Augenblicke in meiner so geliebten, gemütlichen Position angekommen, für den ich meinen Sessel so liebte. Ich tat, als wenn ich nachdachte, führte eine Hand an meinen Kopf und stützte diesen darauf. "Es tut sich nicht wirklich viel, bis auf die rosa Mäuse, die in der Ecke dort hinten an einem Trapez Kunststücke vorführen!" Nadja ...
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