1. Kapitel II Ankunft


    Datum: 05.02.2017, Kategorien: BDSM, Fetisch,

    öffne Dich“ für diese neue Welt. Xanadu, dieses Wort, diese Sehnsucht, ich erinnerte die Schattenwesen meiner Träume und nun, mit Hilfe meines Bewusstseins nahm Xanadu Gestalt an. Es waren die Bilder aus Orson Welles kongenialem Film, seinem morschen ‚Hearst’schen’ Denkmal, ein Schloss ungeheuren Ausmaßes, in Nebelschwaden durchzogenen Aufnahmen in Schwarzweiß, die steinernen Pforten der Unermesslichkeit, die Barken, die am Ufer vertäut warteten, warteten auf wen? Kafkas Schloss fiel mir ein, diesen Ort von dem es kein Entkommen gab, obwohl es nicht Mauern waren, die uns hielten, vielmehr Stricke in uns selbst, die es unmöglich machten zu entkommen. War es auch hier so? Gab es auch hier kein Entkommen? Wo war dieses Hier? Ich versuchte mit all meinen Sinnen nach den wenigen Informationen zu greifen, die ich hatte. Die Fenster waren geöffnet, es war mild und sonnig. Meine Entlassung fand im November statt, entweder also war es Frühling geworden und anstatt eines tiefen Schlafs hatte ich mich im Koma befunden, oder wir hatten uns weit entfernt von Hamburg, waren weit in südliche Gefilde geflohen. Aber war es eine Flucht? Ich hatte mir nichts zuschulden kommen lassen in meiner kurzen Episode der Freiheit, vielmehr war ich selbst entführt worden. Natürlich konnte es sein dass ich inzwischen gegen die Auflagen der Bewährung verstoßen hatte, aber konnte es meiner Verantwortung zugerechnet werden, war es meine Schuld? Andererseits – wer würde mir glauben, einem Verbrecher, einem ...
    Exhäftling, einer persona non grata, der darüber hinaus mit einer Geschichte aufwartete, die abenteuerlicher nicht sein konnte, ja, die ich selbst nicht wirklich glaubte, nicht begriff und die mich hier ratlos zurückließ, ratlos und eingeschüchtert. Ich kehrte zurück zu meinem Ausgangspunkt meiner Überlegungen, zurück zu Xanadu. Ich erinnerte die Worte Coleridges, den Beginn seines Poems: In Xanadu schuf Kubla Khan Ein prunkvolles Vergnügungsschloss. Wo Alph, der heil’ge Strom, durchfloss, die tiefen Höhlen, unendlich groß, hinab zum dunklen Ozean. Was sah Coleridge in seinen laudanum geschwängerten Träumen? Die gleichen Absonderlichkeiten, die meine Sinne seit dem Zusammentreffen mit diesen mir fremden Menschen betäubten. Was ist diese sagenumwobene Stadt, die Residenz des Mongolen, einst von Marco Polo entdeckt und beschrieben, was hat sie mit mir zu tun, und wie geriet ich hierher? War meine Reise nicht in Meilen zu messen sondern in Jahren? Fuhr ich zurück in der Zeit? All diese Fragen malträtierten mich aufs Neue, ließen mich nicht zur Ruhe kommen und so wandte ich mich an meine leise Begleiterin, die noch immer stumm an meiner Seite saß. „Sagen Sie mir, wo ich mich befinde, bin ich in Xanadu? Und was ist Xanadu?“ Sie legte mir sacht ihre Finger auf die Lippen, und sprach als ob ich Kind sei, leis und beruhigend: „Sch, du bist in Sicherheit, bist Gast des großen Khan, in seinem Paradies. Du bist mitten in der Welt, vertrau mir, an einem sicheren Ort.“ Wie schon die ganze ...
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