1. Liebe, Tod und Neuanfang


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    Eva hatte es bemerkt, machte jedoch mit dem weiter, was sie gerade tat. Jetzt waren wir wie in einem Zelt, denn der Schirm hatte, einen weit herunterreichenden Rand. Nur einen Meter trennte der Rand vom Boden und so musste es seltsam aussehen, wie zwei Menschen in einem Platzregen, unter einem Schirm hockten. Aber das sah niemand, denn außer uns war niemand mehr hier, der es sehen konnte. Es war auch zu verrückt. Durch meine Nähe zu Eva konnte ich sie jetzt natürlich besser studieren und noch besser riechen. Mir fiel erneut auf, wie klein sie war, hatte ich mich inzwischen daran gewöhnt, war ich doch erstaunt, wenn ich Details sah, die mir vorher nicht aufgefallen war. In ihrer gebückten Haltung fiel mir besonders auf, wie schlank ihr Hals war, wenn ich von oben auf sie herabschaute und die oberen Wirbel entdeckte, die sich durch die Haut drückten. Dazu kam, dass sie in ihrem Blazer Schulterpolster trug und noch schmaler sein musste, als ich angenommen hatte. In dieser zusammengekauerten Haltung und unter dem glockenförmigen Schirm, trat noch ein weiterer Effekt auf. Ihr Duft sammelte sich unter dem Schirm und gelangte intensiver in meine Nase. Sie trug immer dasselbe Parfüm, denselben Duft, den ich von ihr kannte. Ich sog die Luft langsam, mit einem tiefen Atemzug in mich hinein und meinte seit Langem nichts besseres mehr gerochen zu haben. Plötzlich wurde es kurz unheimlich hell um uns herum und fast zur gleichen Zeit, krachte es so laut, dass die Erde zu beben schien. Ganz ...
    in unserer Nähe war der Blitz eingeschlagen und Eva schrie auf. Ich griff nach ihr, denn sie drohte vor Schreck umzufallen. Sie drehte sich schneller zu mir um, als ich dachte, und umarmte mich, um sich an mir festzuhalten. Ich konnte sofort spüren, wie sie zitterte. Das Gewitter setzte ihr wesentlich mehr zu, als mir, obwohl es recht unangenehm war. Der einzige Schutz für uns war im Moment, dass wir tief auf der Erde kauerten. Wir waren so niedrig wie möglich und ich hoffte innerlich, dass der Blitz uns nicht entdeckte. Eva zitterte nicht nur, das Gewitter hatte sie so in Angst versetzt, dass sie zu weinen begann. Das wiederum zerrte an meinen Nerven, denn ich hasste es, wenn Menschen in meiner Gegenwart weinten. Irgendwie kam bei mir der Beschützerinstinkt hervor, denn ich zog sie nah an mich heran, und streichelte ihr über das Haar, welches in einem Pferdeschwanz gebunden war. Ihr Zittern ging langsam zurück, und als der nächste Blitz vom Himmel fuhr, zuckte sie nicht mehr so stark zusammen. Vielleicht lag es auch daran, dass dieser wesentlich weiter weg gewesen war. Zumindest sagten mir die Sekunden das, die zwischen Blitz und Donner lagen. Irgendwann löste sich Eva von mir. Es wurde langsam Zeit, denn ihre zwanzig Minuten waren schon überschritten. Sie sah zu mir herauf, und als ich das viele Wasser sah, was in ihren Augen schwamm, zog ich ein Taschetuch aus meiner Jackentasche und tupfte diese zärtlich weg. Zum Glück trug sie keine Mascara und Wimperntusche, denn durch ...
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