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Liebe, Tod und Neuanfang
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
Vergleichbares miteinander hatten. Sie waren grundverschiedene Typen. Damit war meine Neugierde und Analyse beendet. Oder zumindest fast. Denn ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt, an den gleichen Tagen, um die gleiche Zeit, auf dem Friedhof zu erscheinen. Es war eine neue Regelmäßigkeit, die ich lieben gelernt hatte. Seit dem Tod von Silvia war ich in immer mehr diesen Regelmäßigkeiten verfallen, um mein Leben in eine geordnete Bahn zu lenken. Es hielt mich davon ab, die Spur zu verlieren. Es brachte mein Leben in Ordnung, zumindest was das Leben an sich betraf. So kam es, dass ich sie öfter traf. Dabei entwickelte sich eine Art Drehbuch. Ich war vor ihr da, sagte mein "Guten Tag" wenn sie ankam, sie nickte mir zu, ohne eine erkennbare Regung zu zeigen und begann mit ihrem tun. Dann war ich fertig und verließ den Ort, bevor sie ging. Das ging circa drei Monate lang und wurde zu einem Ritual von mir. Dann geschah etwas Seltsames. An einem Montag kam sie nicht. Ich war verwirrt und blieb noch eine Stunde länger dort. Trotzdem erschien sie nicht. Auch am Mittwoch und Freitag kam sie nicht. Auch nicht zu anderen Zeiten als sonst, denn das Gras auf dem Grab wurde länger und länger. Auch die Rose wurde nicht ausgewechselt und welkte langsam dahin. Am nächsten Montag, konnte ich es mir nicht mehr mit anschauen. Es passte nicht, und als sie wieder nicht kam, machte ich es für sie. Ich ging eine neue Rose kaufen und stellte sie statt der verwelkten in die Vase. Jetzt sah es aus ... wie immer und ich war zufrieden. Erst zwei Wochen später, sah ich sie das nächste Mal. Sie kam den Weg entlang und stand vor dem Grab, ohne mich mehr zu beachten, als sonst. Ich hatte mich die ganze Zeit weiterhin mit um ihr Grab gekümmert und somit sah es aus, als wenn sie selber regelmäßig da gewesen wäre. Sie stand davor und wirkte verunsichert. Dann schnibbelte sie etwas, fast verlegen, an dem Gras herum, obwohl es nichts zum Schneiden gab. Dann stand sie davor, während ich noch beschäftigt war. "Waren sie das?", hörte ich eine leise und hohe Stimme an mein Ohr dringen. Zuerst meinte ich, mich verhört zu haben und fragte selber: "Bitte?" "Ich habe sie gefragt, ob sie sich um das Grab gekümmert haben, während ich nicht da war?" Diesmal klang ihre Stimme etwas lauter, aber trotzdem unsicher. "Ja, habe ich!", antwortete ich ihr und sah in ihre Richtung, worauf sie ihren Kopf ebenfalls zu mir drehte. Während ich jetzt in ihre unendlich tiefen und zugleich traurigen Augen schauen konnte, sagte sie nur: "Danke!" Dann drehte sie sich zurück und stand noch fünf Minuten lang davor. Dieses Mal ging sie vor mir zurück. Am Freitag darauf, als wir schweigend nebeneinander arbeiteten, konnte ich nicht mehr anders und sagte zu ihr: "Adam!" nicht mehr. Daraufhin kam von ihr: "Bitte?" und ich antwortet ihr noch einmal. "Adam, mein Name ist Adam wie der aus der Bibel. Ich wollte mich gerne vorstellen. Immerhin haben wir uns schon oft gesehen und ich fand es an der Zeit, dies zu tun!" Sie ...