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Liebe, Tod und Neuanfang
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
uns zuvor noch endlos vorgekommen war, dass wir an kein Ende gedacht hatten. Nach ein paar Tagen, in denen ich Silvia immer wieder in die Arme genommen hatte und sie hemmungslos weinte, ging eine Verwandlung mit ihr vor sich. Ich hatte gelesen, dass Menschen denen so etwas passiert in verschiedene Phasen kommen. Zuerst die Verleugnung. Sie redeten sich ein, dass alles nicht stimmte und alle anderen nicht wussten, wovon die sprachen. Soweit ich noch weiß waren es normalerweise vier Phasen, aber die machte Silvia nicht durch. Sie hatte schnell verstanden, dass es so war. In ihr reifte die Erkenntnis, dass sie nichts dagegen tun konnte und somit lieber die Zeit nutzen wollte, die ihr blieb. In der nächsten Zeit hatte ich den Eindruck, dass ich mir mehr Sorgen machte als sie selber. Sie nahm jeden Tag hin, als wenn es ihr Letzter war. Sie erfreute sich an Dingen, die mir vorher noch nicht aufgefallen waren. Die sah die kleinen Wunder, die um uns herum waren, und wartete nicht mehr auf die Großen. Sie konnte sich darüber erfreuen, wenn die Blumen aufgingen, die ich ihr mitgebracht hatte oder sie saß stundenlang am Fenster und sah zu, wie es regnete. Kam die Sonne hervor, lief sie, selbst wenn es kalt war, mit nackten Füßen auf den Rasen im Garten, und sprang fröhlich umher. Ich selber stand oft in der Tür und sah ihr zu. Tränen liefen mir die Wangen herunter, die ich schnell abwischte, wenn sie zu mir gerannt kam, um mich mit auf den Rasen zu ziehen. War es mir zuvor nicht ... aufgefallen, sah man es jetzt deutlicher, dass es ihr nicht gut ging. Das Sprechen wurde schwerer für sie und sie konnte sich nicht mehr lange konzentrieren. Sie vergaß vieles so schnell, wie sie es gelernt hatte. Dazu wurde ihr Gleichgewichtsinn immer mehr beeinflusst. Sie konnte bald nicht mehr laufen, ohne sich festzuhalten. Das war die Zeit, als wir am Tisch saßen und sie mir erzählte, was sie wollte, wenn sie nicht mehr war. Sie wollte ein kleines Urnengrab, damit ich nicht viel damit zu tun hatte. Sie wollte es sich selber aussuchen. Also schob ich sie mit dem Rollstuhl, den wir inzwischen besorgt hatten, zum Beerdigungsinstitut und sie suche sich eine Stelle aus. Am nächsten Tag schob ich sie auf den Friedhof und wir suchten nach der Stelle. Als wir sie fanden, betrachtete Silvia sie lange Zeit. Ein alter Baum stand direkt daneben, nur eine andere Stelle war noch davor frei, die ungenutzt war. Auf der anderen Seite war alles belegt. Silvia meinte, dass es eine gute Stelle sei. Sie hätte sich das Richtige ausgesucht. Dann wollte sie nach Hause. Die ganze Zeit auf dem Weg zurück liefen mir die Tränen über die Wange und ich wollte nicht, dass Silvia es sah. Aber ich konnte es nicht verhindern. Sie drehte sich um und bekam es mit. Dann sagte sie: " Du musst nicht weinen. Wir hatten eine tolle Zeit miteinander. Denke an die schönen Dinge, nicht an das, was kommen wird. Wir können es nicht aufhalten." Ein paar Wochen später lagen wir im Bett und ich küsste Silvia wie immer, bevor ...