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Lisa, Fluch oder Segen
Datum: 29.03.2017, Kategorien: 1 auf 1,
würde ich mal sagen, dass ich eine Strafe verdient habe. Ich bin schon gespannt darauf, was es sein wird. Kannst es mir sagen, sobald dir etwas eingefallen ist. Solange kann ich ja weitermachen!" Damit drehte sie sich um und ließ mich einfach stehen, wo ich war. Was sollte ich darauf noch sagen oder machen. Ich ging in die Küche und machte mir ein Brot, wobei ich lieber einen großen Drink gehabt hätte. Aber das wäre keine Lösung gewesen. Noch während ich an meinem Brot kaute, kam Lisa ebenfalls in die Küche. Sie hatte sich umgezogen und sah aus, als wenn sie noch ausgehen wollte. Ein ungewohnter Anblick, denn sie hatte sich sogar geschminkt, wobei sie besonders ihre Augen bearbeitet hatte. Sie wirkten noch größer als zuvor. "Mir ist langweilig. Ich möchte in eine Disco, möchte mal wieder abhängen, tanzen und quatschen!" Es kam mir merkwürdig vor, denn ich hörte jetzt zum ersten Mal davon, dass Lisa in ein solches Etablissement ging. Zuvor hatte sie mir noch niemals etwas davon erzählt. Ich sah sie einen Moment verständnislos an, meinte aber abschließend: "Lass dich nicht aufhalten, meinen Segen brauchst du nicht. Viel Spaß!" Schon sah ich mich einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher machen, die Füße auf dem Tisch und einen gewaltigen Drink auf dem Bauch stehend. Aber es kam anders. Lisa sah mich einen Moment lang durchdringend an, machte ein mürrisches Gesicht. "Glaubst du wirklich, dass ich alleine gehe? Du kommst natürlich mit, irgendwer muss mir schließlich die ... Drinks und den Eintritt spendieren. Außerdem brauche ich einen Begleiter, eine Frau wie ich, ist nirgends wirklich sicher. Stell dir nur mal vor, mir passiert was und du hättest es verhindern können, wenn du dabei gewesen wärst. Du würdest dir dein Leben lang Vorwürfe machen!" Innerhalb weniger Millisekunden zerplatzte meine Vorstellung für den Abend wie eine Seifenblase und hinterließ ein luftleeres Loch, in das ich gerade stürzte. Sie wollte tatsächlich, dass ich in eine Disco gehe. Als ich noch jung war, war ich dort öfters gewesen, habe mich aber selbst zu der Zeit dort nur mäßig wohlgefühlt. Doch jetzt war ich ein viertel Jahrhundert älter, was sollte ich da. Einmal davon abgesehen, was würden die anderen jungen Leute sagen, wenn eine Mumie wie ich dort auftauchte. Ich musste ihnen vorkommen wie Methusalem, ein Museumsstück. "Lisa, bitte, das ist nichts für mich!", versuchte ich mich rauszureden, aber ich konnte an Lisas Gesichtsausdruck erkennen, dass es mir nichts bringen würde. Ich musste mit, wohl oder übel. Nur widerwillig stand ich auf und machte mich fertig. Zum Schluss musste ich gestehen, dass mir das Sakko und die anderen Sachen besser standen, als ich gedacht hatte. Lange hatte ich mich nicht mehr in der Art gestylt. Lisa sah mich etwas länger an, als sie mich erblickt. Sie nickte zustimmend und ich bestellte ein Taxi. Ich muss ehrlich sagen, es war ein Abenteuer. Schon an der Kasse wurde ich von den herumstehenden jungen Leuten und dem Kassierer argwöhnisch ...