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Eine Pflanze mit Pfiff
Datum: 19.02.2017, Kategorien: Sonstige,
Sessel zurück. Daraufhin saßen Nadja und ich da und starrten auf die dunkelblauen Blätter ohne eine Reaktion zu zeigen. Eine Minute später meinte ich dann: "Also, vom Ansehen werden wir es nicht herausbekommen. Wir müssen uns nur einigen, wer das Versuchskarnickel ist!" Dann sah ich Nadja fragend an. Sie sah mich ebenfalls an und meinte nur: "Der Letzte, an dem ein Experiment gemacht wurde, war ich, also ist es nur fair, wenn du anfängst. Außerdem ist es deine Pflanze." Wie wahr, diesen Argumenten konnte ich mich nicht verschließen. Also beugte ich mich vor, nahm eines der Blätter zwischen Daumen und Zeigefinger und sah es mir aus größerer Nähe an. Das Blau war gleichmäßig über das ganze Blatt verteilt und zeigte keine Abweichungen, dazu fühlte es sich weich, fast samtig an. Dann gab ich mir einen Ruck, und während ich jetzt Nadja ansah, legte ich es mir im Mund auf die Zunge, den ich daraufhin schloss. Auch hier auf der Zunge fühlte es sich ganz leicht und weich an, gab aber keinen bemerkbaren Geschmack ab. Es verhielt sich vollkommen neutral. Auch als ich es mit Speichel benetzte, wurde es nicht anders. Immer noch sah ich Nadja dabei an und ich konnte die Neugierde in ihren Augen lesen. Sie starrte mich gebannt an, als wenn sie eine sofortige Reaktion von mir erwartete. Die kam aber noch nicht. Mutiger geworden begann ich jetzt das Blatt zu zerkauen und was dann geschah, war schon überraschend. Hatte das Blatt zuvor nach nichts geschmeckt, wandelte es ich auf einmal genau ... in das Gegenteil. Der Geschmack explodierte geradezu in meinem Mund und eine genussvolles "Mmmmhhhh!" wurde hörbar. Ich hatte den Eindruck, als wenn mein Mundraum von dem Geschmack von mindestens einem Liter Honig ausgefüllt würde, den man mit dem Aroma frischer Tannennadeln gewürzt hätte. So süß und zugleich würzig hatte ich noch niemals etwas geschmeckt, konnte mich zumindest nicht daran erinnern. Eine geschmackliche Offenbarung sozusagen und ich kaute weiterhin genüsslich darauf herum. Es war schon fast schade, als der Geschmack langsam weniger wurde und ich das Blatt herunterschluckte. "Und?", kam natürlich die Frage von Nadja, die mich weiterhin gespannt beobachtete, hatte. Sie hatte zwar mitbekommen, dass es wohl sehr gut schmeckte, war aber aus verständlichen Gründen neugierig, was ich geschmeckt hatte. Fast provozierend langsam ließ ich mich gemütlich in meinen Sessel sinken und grinste sie nur an. Ich wollte die Spannung für sie noch ein wenig in die Länge ziehen, um sie noch ein wenig zu quälen. "Wow!", sagte ich dann schließlich und erzählte ihr, was ich geschmeckt hatte. Dabei hing mir Nadja gespannt an den Lippen und sog die Information geradezu in sich hinein. Zum Schluss meinte ich nur noch, "Also wenn jemand von dem Nektar der Götter spricht, dann würde ich sagen, dass dieser so schmecken muss. Anders kann ich es mir nicht vorstellen!" Außer dem Geschmack konnte ich im Moment noch keine Reaktion bei mir feststellen. Das einzige was ich bekam war das Verlangen, ...