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Beautiful Loser
Datum: 31.01.2017, Kategorien: Erotische Verbindungen,
Männer ihn Mickey riefen. Das kam für sie nicht in Frage, obwohl er sie duzte. Sie selbst fühlte sich mit knapp zwanzig immer noch nicht erwachsen, aber er -- gut, er war vielleicht zehn Jahre älter als sie, höchstens -- kam ihr mit seinen Erfahrungen und Problemen so vor, als gehörte er zu einer anderen Generation. Als zur Abwechslung ein schon etwas älterer Song aus der Anlage erklang, setzte er plötzlich sein Glas ab (von Bier war er längst zu Whiskey übergegangen) und hob den Kopf. Sein Blick kehrte sich irgendwie nach innen, er lauschte aufmerksam und nach den ersten beiden Textzeilen fiel er leise mit ein. „Hey little schoolgirl, won't you come home with me? We'll drink some coca-cola and watch my colour TV ... " Er brach ab und hörte weiter zu, den Blick ins Leere gerichtet. „Fuck", sagte er schließlich halblaut, immer noch mehr zu sich selbst. „Das haben wir oft gespielt. Aber an Angry Andersons Stimme bin ich nie rangekommen." Dass er bis vor einiger Zeit in einer Band gespielt hatte, war bereits kurz zur Sprache gekommen, aber bisher hatte Luca eher den Eindruck gehabt, dieses Thema gehörte zu den für ihn unangenehmen. „Ich mag Rose Tattoo", sagte sie behutsam. „Das Stück ist von ihrem ersten Album, oder?" Er nickte langsam. „Mhm. „Stuck On You", heißt die Nummer. Mann, 1978 -- das ist schon beschissene acht Jahre her." „Das hier ist eigentlich sogar eins meiner Lieblingsstücke von den Tatts. Gleich nach „Rock 'n' Roll Outlaw."" Jetzt schien Mr Foster sie wieder ... richtig wahrzunehmen. „Was?", fragte er amüsiert. „Du stehst auf solchen Pub Rock?" „Wieso nicht?", gab sie ein wenig beleidigt zurück. „Dachten Sie, ich höre mir nur Klassik an? Ich mag auch Aerosmith, Guns 'N' Roses, Judas Priest ... und eben solche Aussie-Bands wie Rose Tattoo oder AC/DC." „AC/DC ... ", meinte er nachdenklich. „Scheiße, ich hätte nie gedacht, dass die gleich nach Bons Tod das beste Album ihrer Karriere raushauen würden. Irgendwie hat mich das ziemlich deprimiert." „Nichts gegen Brian Johnson", sagte Luca, „aber für die meisten Fans wird die Bon-Scott-Ära für immer die beste sein. Sieht man doch schon an den unzähligen Tribute-Bands, die es weltweit gibt." „Na ja, insofern ist er wohl im richtigen Moment abgetreten. So hat er's noch geschafft, zum Mythos zu werden, bevor's dafür zu spät war." „Also war Ihrer Meinung nach die klügste Handlung seines Lebens, sich zu Tode zu saufen." Ihr Tonfall war unvermutet scharf geworden und er sah sie überrascht an. Ziemlich schnell verstand er die Anspielung und er stürzte mit finsterer Miene den restlichen Whiskey herunter. Als er schließlich eine Antwort gab, war sie erstaunlich bitter. „Wenn ich es tun würde, wär der Rest der Welt zumindest froh drum." „Nein", entgegnete sie entschieden und ohne darüber nachzudenken. „Ich nicht." Sie sahen sich in die Augen, eine Winzigkeit länger als normal, bevor er abrupt wegschaute. „Ach, hör doch auf", knurrte er. Luca warf einen Blick auf die Uhr. „Gutes Stichwort. Ich muss den ...