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Beautiful Loser
Datum: 31.01.2017, Kategorien: Erotische Verbindungen,
mit seiner Familie nicht besonders glücklich war. „Deine Schwester, ist das diese blondierte Ziege, die heut morgen mit dabei war?" Ein Grinsen huschte über ihr Gesicht und vertrieb die Härte daraus. „Genau die." „Daddys Liebling, hm?" „Sie haben's erfasst." Mickey schüttelte den Kopf. „Aber du kannst mir nicht erzählen, dass dein Alter nicht mit dir angibt. Immerhinstudierst du ja." Ihr Blick verriet ihm, dass sie die ironische Betonung sehr wohl mitbekommen hatte, aber sie ging nicht darauf ein. „Mag sein. Aber Tiermedizin war es eigentlich nicht, was er sich für mich vorgestellt hat. Humanmedizin hätte er besser gefunden. Die Vorstellung, dass seine Tochter bei einem Rind Geburtshilfe leistet, passt nicht so in sein Weltbild." In Mickeys auch nicht wirklich. Stirnrunzelnd musterte er das zierliche Mädchen, versuchte sie sich mitten in der Nacht in einem kalten Stall vorzustellen, blutüberströmt, die Arme bis zu den Schultern in einer vor Schmerzen brüllenden Kuh versenkt. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn fragend an. „Was?" „Nichts", brummte er und senkte den Blick wieder in sein Glas, dessen Flüssigkeitspegel schon wieder fast bei Null lag. „Hab nur grad überlegt, ob Lehrerin nicht der bessere Job für dich wäre." Jetzt lachte sie laut auf, aber es war kein albernes Gegacker, sondern eine Äußerung ehrlicher Heiterkeit. „Um Gottes Willen!" „Na ja", meinte er, „vielleicht doch nicht. Dafür bist du wahrscheinlich zu nett." Erst nachdem er diesen Satz ... ausgesprochen hatte, fiel ihm auf, dass er wie ein Kompliment klang, nein, schlimmer, wie eine Anmache. Noch dazu wie eine verdammt unbeholfene. Sie aber warf nur einen Blick auf sein Glas. „Sagen Sie doch gleich, dass Sie noch ein Bier wollen." *** Die Stunden vergingen schnell. Irgendwann verschwanden der glatzköpfige alte Sack und seine Freunde, nachdem sie noch ein paar Mal versucht hatten, Mr Foster hochzunehmen und Luca mit Anzüglichkeiten in Verlegenheit zu bringen. Beides erfolglos. Als es ihnen zu langweilig wurde, gingen sie also. Mr Foster blieb. Luca ließ ihn trinken, wobei sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Erschütterung feststellte, wie viel er vertragen konnte, ohne dass ihm auch nur das Geringste anzumerken war. Er soff wie ein verdammtes Loch, ohne dass seine grünen Augen sich trübten oder seine Sprechweise unsicher wurde. Mr Foster war ein lupenreiner Alkoholiker -- oder wenigstens auf dem allerbesten Weg dahin. Diese Erkenntnis änderte nichts daran, dass sie ihn mochte. Er war ein kantiger Typ, alles andere als umgänglich, aber dabei kein schlechter Kerl. Wenn ihr Gespräch irgendein Thema streifte, das ihm nicht behagte -- und davon schien es jede Menge zu geben -- knurrte er, aber es kostete Luca keine Mühe, ihn wieder zu besänftigen. Sie ließ ihn in Ruhe, wenn es angebracht war, und bohrte nicht weiter. Offenbar überraschte ihn das, aber es schien ihm sehr zu gefallen. Sie blieb dabei, ihn Mr Foster zu nennen, obwohl sie gehört hatte, dass die anderen ...