1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    aufzurichten. Genau das war mein Ansinnen, wobei ich nur die Wahrheit sagen musste. Plötzlich beugte sich Marie herunter, griff an den Saum ihres Kleides und hob es langsam an. "Und was haltet ihr von meinen Beinen?", fragte sie und zog das Kleid so weit herauf, dass es weit über die Knie hinaus rutschte. Sie hatte schlanke Beine, eigentlich zu dünn, aber wenn man vom Rest ausging, passte es schon. "Ich weiß gar nicht, was du hast. Es ist alles so, wie es sein soll. Höre einfach nicht auf die anderen. Sie wissen gar nichts. Wenn sie dich so gesehen hätten, wie ich jetzt, würden sie schnell ihre Meinung ändern!" Marie schien ein wenige zu wachsen. Sie richtete sich stocksteif auf, wie sie es immer tat, und ließ das Kleid fallen. "Danke euch, ihr seid mir ein wirklicher Freund. Ich hoffe, ich kann euch auch weiterhin mit meinen Fragen belästigen?", fragte sie, während sie zu meinem Leidwesen, ihr Oberteil wieder zurechtrückte. Sofort verschwand der interessante Aufblick auf ihre Rundungen. Alles war so schnell und überraschend über die Bühne gegangen, dass ich keine Zeit mehr dafür hatte, darauf zu reagieren. Als sie den Schlüssel schnappte und aus dem Zimmer ging, war es zu spät dazu. Ich schüttelte nur einmal mit dem Kopf, dann setzte ich mich mit enger Hose wieder auf meinen Stuhl, um auf Klara zu warten. Sie kam erst sehr spät zurück, war mehr als müde und ging nach einer kurzen Begrüßung ins Bett. Sie sagte nur noch, dass sie wieder früh aufstehe, müsste und den Tag ...
    über weg sein würde. Dabei hoffte sie, dass sie bald wieder mehr Zeit für mich hätte. Ich hoffte es auch und ging ebenfalls ins Bett. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, sah ich sofort zum Spiegel und musste feststellen, dass Klara bereits weg war. Da ich davon ausging, dass sie viele Stunden nicht da sein würde, machte ich mit meinen Experimenten weiter. Durch das Glas zu greifen war eine Sache, den Kopf hindurch zu stecken, eine ganz andere. Mein innerstes sträubte sich vor diesem Schritt, hieß es doch, dass mein Ich in die andere Welt transportiert wurde. Doch ohne einen Versuch würde ich niemals erfahren, wie das war. Der Spiegelverkäufer war auch schon durch den Spiegel gegangen und das mehrfach. Also konnte es nicht so schlimm sein. Ich holte tief Luft, als wenn ich tauchen wollte, machte die Augen zu und schob meinen Kopf vor. Als meine Nase das Glas berührte, wusste ich, dass es soweit war. Ganz leicht flutschte mein Kopf hindurch und ich spürte wo gut wie gar nichts davon. Nur ein warmes Gefühl an der Stelle, wo sich gerade das Glas befand. Als ich dieses an meinem Hals fühlte, öffnete ich meine Augen und ließ den Atem heraus. Tief sog ich die andere Luft ein und war über den Duft überrascht, der mir in die Nase stieg. Zuvor noch der Geruch meines Schlafzimmers in der Nase, sog ich jetzt den typischen Duft eines Frauenzimmers ein. So kannte ich es jedenfalls. Leicht süßlich, eine Mischung verschiedener Duftwässerchen, die sich in dem Raum, den Tapeten und Vorhängen ...
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