1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    fünf Minuten später war es soweit. Klara stürmte erneut in das Zimmer und starrte auf einmal wie gebannt auf das Tischchen. "Da ist das olle Ding ja. Eigentlich schon fast schade. Es hätte mich fast gefreut, wenn es verschwunden wäre!" "Tja, man muss halt besser schauen, dann übersieht man auch nicht so viel!", kam von mir und ich grinste in mich hinein. Um es kurz zu sagen, Klara würdigte mich die nächste Zeit keines Blickes mehr. Sie war eingeschnappt und lies es mich spüren. Sie behandelte mich wie Luft, als wenn ich gar nicht da gewesen wäre. Also sprach ich sie nicht mehr an, verhielt mich ganz ruhig und sah ihr dabei zu, was sie auch gerade tat. Das war nichts Besonderes, um es genauer zu sagen, las sie ein Buch. Was für eines konnte ich nicht erkennen. Dafür war sie zu weit weg. Erst zwei Stunden später klappte sie das Buch zu und kam zu mir herüber. Ohne auf das Vorherige einzugehen, sagte sie: "Die blöde Brosche ist von der Großmutter meines Zukünftigen. Ich soll sie auf der Hochzeit tragen. Dabei finde ich sie kitschig und albern. Sie passt gar nicht zu mir!" Das fand ich gar nicht. Es war ein schönes Stück. Aber wahrscheinlich war es nicht wegen der Brosche selber, sondern weil sie von ihrem nicht geliebten Zukünftigen stammte. Da kam mir auf einmal ein Einfall, was ich fragen könnte. "Du hast gesagt, dass dein zukünftiger Mann reich ist. Wir reich ist er denn? Ich meine, kannst du mir sagen, was Reichtum bei euch bedeutet?" Sie sah mich an, als wenn sie gerade ...
    eine dumme Frage zu hören bekommen hätte. "Ihr wisst doch, was Geld ist?", fragte sie mich. Da ich es aber nicht umrechnen konnte, hätte mir jede Summe nichts gesagt. "Natürlich weiß ich, was Geld ist, aber ich möchte gerne, dass du mir sagst, was er alles hat. Hat er zum Beispiel ein Haus?" "Was für eine Frage? Natürlich hat er ein Schloss, kein Haus, sonst würde ich ihn nicht heiraten müssen. Was dachtet ihr denn. Ein Graf in einem Schweinestall? Woher seid ihr eigentlich gekommen, dass ihr das nicht wisst. Außerdem besitzt er große verpachtete Ländereien. Finanzielle ist er sehr gut ausgestattet, man sagt, dass alles zusammen einen ganzen Haufen Gold wert sei. Aber das ist auch alles, reicht mir aber nicht. Ich will dazu einen Mann. Nicht so einen Wicht, wie er einer ist!" Jetzt war ich im Bilde und wusste, dass ich ihm nicht das Wasser reichen konnte. Mein erspartes würde dagegen nur blass wirken. Um es in ihrer Währung zu bringen, hätte ich alles in Gold umtauschen müssen und das wäre bedenklich wenige gewesen. Ich konnte mir also jede Art von Gedanken aus dem Gedächtnis streichen. Auch wenn sie noch so abenteuerlich klangen. Weiter unterhielten wir uns nicht, denn Klara musste noch einmal weg, würde erst spät wiederkommen. Sehr schade, denn ich verbrachte meine Zeit immer gerne mit ihr. Vielleicht sogar jeden Tag noch etwas lieber. Klara war gerade erst ein paar Minuten weg, als die Tür wieder aufging und wenige Augenblicke später stand Marie wieder vor mir. Sie sah noch ...
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