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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
Soweit ich es weiß, hatte es ihm aber nichts genützt, denn als die Gerüchte lauter um ihn wurden, wurde er verhaftet und konnte nicht mehr zu dem Spiegel gelangen. Der Prozess war kurz, und als das Feuer seinen Körper erfasste, hatte ihm all das nichts genützt. Dies ist die Geschichte in kurz, obwohl das Original auch nicht viel länger ist. Es umschreibt nur vieles mehr. So habt ihr sicher schon festgestellt, dass auf der anderen Seite anders gesprochen wird!" Ich nickte und auf dem Gesicht des Alten erschien ein erneutes Lächeln. "Ich hoffe, sie werden noch viel Spaß damit haben. Aber eines Tages werden sie sich entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen. Das wird die schwerste Entscheidung ihres Lebens, denn sie wird endgültig sein!" Um die aufkommende Stille zu überbrücken die jetzt für einen Moment aufkam fragte ich ihn: "Verraten sie mir ihren Namen?" Er sah mich mit verträumt wirkenden Augen an und sagte: "Ich heiße Werner. Kann ich jetzt bitte den Spiegel sehen? Ich nickte, war aber noch so in meinen Gedanken versunken, dass ich es mehr aus Reflex machte, als es wirklich wahrzunehmen. Er stand auf und kaum hatte ich mich versehen, war er aus der Stube gegangen. Ich ging ihm langsam hinterher und hörte nur noch aus dem Schlafzimmer ein knirschendes Geräusch. Dann war wieder Stille. Das Geräusch war mir inzwischen bekannt. Als ich mit schnellen Schritten in das Schlafzimmer kam, war er nicht mehr da. Ich brauchte mir nicht viele Gedanken darüber machen, was wohl ... geschehen war. Auch wusste ich, dass er nicht wieder zurückkommen würde oder gar konnte. Hatte er doch gesagt, dass man nicht unbegrenzt oft herüber konnte. Leider hatte er nicht gesagt, wie oft. Das hatte ich vergessen zu fragen. Nachdenklich sah ich mir den Spiegel an und konnte an einer Stelle des Rahmens etwas Seltsames entdecken. Das kleine Stück Blattgold, was zuvor noch als Rest auf dem Rahmen gewesen war, war vollkommen verschwunden. Das Holz trat an der Stelle hervor und ließ den Rahmen etwas schäbig erscheinen. Gedankenversunken ging ich in den Keller und holte etwas um es zu reparieren. Als ich zurückkam, stellte ich fest, dass es jetzt funktionierte. Vorher hatte es nicht geklappt. Für einen Moment ging ich wieder in die Küche, kochte mir eine Tasse Kaffee und setzte mich damit nachdenklich an den Tisch. Viel war es nicht gewesen, was er erzählt hatte und es brachte mich auch nicht unbedingt weiter, aber immerhin war es eine Information gewesen, die ich zuvor nicht gehabt hatte. Kaum hatte ich die Tasse geleert, stand ich wieder auf und ging ins Schlafzimmer zurück. Wenn Werner durch den Spiegel gegangen war, musste er jetzt dort in der Welt sein. Dann konnte ich doch Klara fragen, ob sie ihn kannte. Wenn er dort war, konnte ich mich doch mit ihm unterhalten und er würde mir mehr Auskünfte geben können. Zuerst musste ich aber auf Klara warten. Da mir die Zeit aber lang wurde, setzte ich mich auf mein Bett. Ließ meinen Oberkörper zurücksinken und kam in eine halb ...