1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    sie mit großen Augen in meine Richtung und hatte einen erwartungsvollen Blick aufgesetzt. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Wie kam sie auf einmal auf so etwas. Ich war für mehrere Sekunden sprachlos. Dabei musste ich nur bei der Wahrheit bleiben und genau das tat ich auch. "Du bist eine sehr hübsche Frau und jeder Mann kann sich glücklich schätzen, der dich einmal bekommt. Warum fragst du?" "Das andere Personal im Haus mag mich nicht. Sie triezen mich immer und nennen mich eine hässliche Ratte. Da ich niemanden anderes Fragen kann, habe ich mir gedacht, euch zu fragen. Klara hatte mir gesagt, dass ihr sehr gut zuhören könnt und sie sehr gut mit euch reden kann. Ich danke euch für euer Urteil. Bitte verzeiht mir noch einmal. Ich werde euch nicht weiter stören!" Damit schlich sie sich wieder davon und Sekunden später hörte ich wieder die Tür ins Schloss fallen. Ich schüttelte nur einmal mit dem Kopf. Konnte es nicht verstehen, würde es wohl auch später nicht. Eins wurde mir dabei aber bewusst. Ich musste gut aufpassen bei meinen Experimenten. Es würde seltsam aussehen, wenn ein Teil von mir, und wenn es nur mein Arm war, aus dem Spiegel herausschaute, wenn jemand ins Zimmer kam. Mir wäre zumindest ein großer Schrecken in die Glieder gefahren, wenn ich das unvorhergesehen entdecken würde. Für diesen Tag ließ ich es dabei bewenden. Ich hatte Zeit, wollte nichts überstürzen, damit ich nichts übersah. Wenn ich zu schnell vorging, konnte etwas passieren, was ich ...
    nicht wollte. Bis Klara wieder erschien, wurde der Tag lang. Ich las währenddessen ein Buch und die aktuelle Zeitung. Auch das Fernsehprogramm wurde in Augenschein genommen, aber wie immer, war dort nichts drin, was mich auch nur am Rande interessiert hätte. Egal wo ich hinging. Ich hatte Klaras Brosche immer bei mir in der Hosentasche. So manches Mal nahm ich sie heraus und sah sie mir nachdenklich an. Sie hatte ein florales Muster und einen kleinen, blutroten Stein in der Mitte. Rubin, Granat oder etwas in der Richtung. Unterscheiden konnte ich sie nicht. Es sah einfach nur hübsch aus. An ihrem blauen oder grünen Kleid hätte es sicher gut ausgesehen, hätte sich vom Untergrund stark abgehoben. Alle Blicke hätten sich darauf konzentriert. Langsam wurde es langweilig und ich wollte gerade wieder auf meinen Beobachtungsposten gehen, als es unerwartet klingelt. Da ich niemanden erwartete, ging ich davon aus, dass es niemand war, den ich erwartete, von daher hielt ich es nicht für nötig, nachzusehen. Als es dann aber noch einmal schellte, erhob ich mich, denn ich wurde neugierig. Immerhin klingelten die meisten Menschen keine zwei Male. Ich war mehr als überrascht, als der alte Mann vom Trödelmarkt vor der Tür stand. Erwartet hatte ich ihn nicht mehr, trotzdem war das Geld noch da, was er zu bekommen hatte. "Hallo!", meinte ich und sah ihn erwartungsvoll an. "Wie geht es ihnen? Sicher möchten sie noch die Bezahlung abholen?" Er sah mich an und ich bemerkte ziemlich schnell, dass es ...
«12...535455...207»