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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
es in die Finger und zog meine Hände zurück. Es war eine kleine Brosche, die Klara dort hatte liegen lassen. Nichts besonders Aufwendiges. Es glänzte wie Silber, obwohl es sich dafür zu leicht anfühlte. Wenn überhaupt, war es nur versilbert, nicht massiv. Das spielte für mich aber keine Rolle. Es bewies nur, dass ich etwas auf meine Seite holen konnte. Daher ging ich davon aus, dass es beiderseitig gehen würde. Gedankenversunken hielt ich die kleine Brosche in der Hand und drehte sie mehrmals hin und her, als ich auf einmal ein Geräusch hörte. Ich sah in Klaras Zimmer und bemerkte einen kurzen hellen Schein, der in etwa daher kommen musste, wo sich die Tür befand. Neugierig sah ich weiter ins Zimmer und bemerkte einen huschenden Schatten, der sich in meine Richtung bewegte. Ich war gespannt darauf, was ich zu sehen bekam. Es war Marie. Sie schlich sich durch das Zimmer und stand wenig später vor mir. Sie hatte nicht viel an, nur ein ähnliches Nachthemd wie Klara zuvor. Dies war aber nicht so fein und dick. Marie stand vor mir und betrachtete zuerst den Rahmen einmal rundherum, wobei ihr Blick einen Moment oben in etwa der Mitte verweilte. Etwa dort musste die Teufelsfratze sein, wenn der Spiegel auf ihrer Seite ein Gegenstück von meinem war. Sich davon lösend, schüttelte sie sich einmal, als wenn sie fror, und schaute wieder in meine Richtung. Die Neugierde war in ihren Augen zu lesen, aber noch mehr. Sie lagen tiefer als zuvor und sie sah fiebrig aus. Ihre Haare waren ... nicht gemacht und Marie wirkte krank. Man konnte es förmlich sehen, dass es ihr nicht gut ging. Trotzdem stand sie vor mir. "Hallo, hört ihr mich?", kam es nur ganz leise und verstohlen aus ihrem Mund. So wie Klara sie beschrieben hatte hörte sie sich auch an. Zögerlich und unentschlossen. "Ja!", antwortete ich ihr und war gespannt darauf, was sie tun würde. Sie sah geradeaus und zuckt einmal zusammen. "Entschuldigt mich, aber ich wollte es mit eigenen Ohren hören. Klara hatte Andeutungen gemacht, dass sie sich mit euch unterhalten könnte. Das habe ich ihr aber nicht geglaubt. Doch jetzt ist es klar!" "Mädchen!", sagte ich in einem möglichst ruhigen Ton: "Du gehörst ins Bett. Man kann gut sehen, dass es dir nicht gut geht!" "Ihr könnt mich also sehen. Das hatte ich auch nicht geglaubt. Bitte verzeiht mir, dass ich es mir selber ansehen musste. Ich musste es einfach, es ließ mir keine Ruhe!" Marie hatte ihren Kopf gesenkt und starrte zu Boden. Sie schien noch etwas auf dem Herzen zu haben, konnte es aber anscheinend nicht sagen. Darum half ich ihr ein wenig auf die Sprünge. "Es sieht so aus, als wenn du noch etwas auf dem Herzen hast. Du kannst es mir ruhig sagen, ich sage es nicht weiter!" Diesen Satz sprach ich möglichst geheimnisvoll aus, damit sie mir vertraute. Marie druckste noch etwas herum, es fiel ihr schwer zu fallen etwas auszusprechen, doch dann überwand sie sich doch und hob ihren Kopf. Leicht zitterten ihre Lippen, als sie fragte. "Findet ihr mich hübsch?" Dabei sah ...