1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    anderem keine Ahnung!" Klara war nicht auf den Kopf gefallen, das war mir klar und ich überlegte fieberhaft, wie ich aus dieser Frage wieder herauskam, was zu der Zeit passte, in der sie wohl lebte. "Ich war nicht immer im Spiegel. Vor vielen Jahren wurde ich von einer Hexe verflucht und wurde von ihr dazu verdammt, mein Leben in einem Spiegel zu verbringen. Da sie sich aber nicht klar ausgedrückt hatte, in welchem Spiegel, wurde ich in diesen verbannt. Wie lange das noch sein wird, kann ich nicht sagen. Aber, da ich hier alles habe, was ich zum Leben brauche, ist es nur noch halb so schlimm. Man gewöhnt sich daran!" "Ja, es ist eine Pest mit den Hexen. Erst neulich wurde wieder eine verbrannt. Was habt ihr denn getan, dass sie so zornig auf euch geworden ist?" Mit dieser Frage hatte ich genauso wenig gerechnet, wie mit der vorigen. Wieder musste mein Gehirn auf Hochtouren laufen, um etwas zu erfinden, was einigermaßen logisch war. "Sie hat mich dabei erwischt, wie ich in ihr Haus einsteigen wollte!", sagte ich, als mir nichts anders einfallen wollte. "Ihr seid ein Dieb!", sagte Klara und sah fast entrüstet in den Spiegel, "eigentlich sollte ich mich nicht mehr mit euch unterhalten!" "Ja und nein!", antwortete ich. "Es war das falsche Haus. Eigentlich wollte ich zu meiner damaligen Liebsten. Leider hatte ich etwa zu viel getrunken und ihres mit dem der Hexe verwechselt!" Klara sah ein wenige verdattert zu mir herüber und fing laut an, zu lachen. Ihr liefen jetzt wirklich die ...
    Tränen über die Wangen, aber vor Freude. Sie belustigte es so sehr, dass sie in ihrem engen Korsett nur noch wenig Luft bekam und schon bald zu hecheln begann. Nur langsam beruhigte sie sich wieder und grinste über das ganze Gesicht, tupfte sich mit einem Spitzentuch die Tränen von den Wangen. "Ihr seid lustig!", meinte sie und tupfte ein weiteres Mal eine Träne ab, die an ihrer Wange entlang perlte. "Zuerst hatte ich gedacht, ihr seid so etwas wie ein Geist und hatte etwas Furcht vor euch. Aber so ist es gar nicht! Sagt einmal Christoph, gibt es eine Möglichkeit euch von dem Fluch zu befreien?" "Ich weiß es nicht. Davon hat die Hexe nichts gesagt. Vielleicht. Warum?" Klara ging auf meine Frage nicht ein, ging einfach darüber hinweg, stellte lieber selber noch eine. "Als ihr noch nicht im Spiegel wart, was habt ihr gemacht? Seid ihr reich gewesen?" Wieder eine Frage, auf die ich hätte, besser vorbereitet sein sollen. Langsam artete die Unterhaltung mit Klara aus. Es wurde anstrengend. Aber da sie eine Gegenfrage gestellt hatte, sah ich nicht ein, es nicht ebenfalls zu tun. "Warum fragst du? Es spielt doch keine Rolle, solange ich hier im Spiegel festsitze?" "Ach, nur so. Vielleicht weil ich jemanden suche, der mindestens eine so gute Partie ist, wie mein zukünftiger Ehemann, aber nicht so hässlich. Ich glaube, meine Eltern wären durchaus damit einverstanden. Leider komme ich nur wenig unter die Leute. Da es nicht meines Standes würdig ist, habe ich nur wenige Möglichkeiten, ...
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