1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    Überblick zu schaffen, stand ich auf, wie ich war und trat vor den Spiegel. Bei der Dunkelheit in meinem Raum konnte man mich auch nicht zufällig sehen. Zu meiner Enttäuschung sah ich gar nichts mehr. Hatte ich zuvor noch den Saal gesehen, war dies jetzt nicht mehr möglich. Nur eine fast perfekte Dunkelheit war zu erkennen, sofern man eine Dunkelheit überhaupt sehen kann. Es wunderte mich sehr und ich war enttäuscht. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf bis hin zum schlimmsten Fall für mich, dass das Gegenstück des Spiegels vielleicht kaputt gegangen war. Aus Versehen oder mutwillig. Doch das ließ sich nicht erkennen. Es blieb mir nichts anderes übrig als darauf zu hoffen, dass es etwas anders war. Den Tag verbrachte ich mit nichts Besonderem, allerdings konnte ich mich auch kaum auf etwas konzentrieren. Wohl jede halbe Stunde ging ich ins Schlafzimmer und schaute nach, ob sich der Zustand verändert hatte. Aber das hatte es nicht. Der Spiegel sah dunkelgrau aus, genauso dunkel, wie schon am Morgen. Um mich nicht verrückt zu machen, fuhr ich in die Stadt und machte ein paar Besorgungen. Nichts Bestimmtes. Es sollte mich nur ablenken. Doch das war kaum zu schaffen. Immer wieder kreisten meine Gedanken nur um das eine. Wobei man das so nicht sagen konnte. Es waren mehrere Dinge, die mir fehlten. Sicher an erster Stelle der Spiegel selber, aber genauso Klara, die mir immer vertrauter vorkam, die ich nicht missen wollte. Ich sträubte mich gegen den Gedanken, dass es vorbei ...
    sein könnte. Lange hielt ich es in der Stadt nicht aus. Es drängte mich zurück nach Hause. So wie ich zuvor schon einmal von dem Spiegel gefangen worden war, setzte die Sucht wieder ein. Doch dieses Mal umso stärker. Vergleichen konnte ich es etwas mit einer Serie im Fernsehen, die man seit Monaten jeden Tag verfolge und es nicht ertragen konnte, wenn man eine Folge verpasste. Nur war es hier um einiges intensiver. Zu Hause angekommen ließ ich die Einkäufe einfach fallen und rannte in Schlafzimmer. Sofort schloss ich die Tür um die Dunkelheit wieder herzustellen die ich benötigte. Ich atmete einmal tief ein, als ich es schon etwas heller leuchten sah, bevor ich vor dem Glas stand. Zu meiner Verwunderung zeigte es aber ein anderes Bild als sonst. Der Saal war nicht mehr zu sehen, stattdessen konnte ich einen kleineren Raum erkennen, der relativ hell erleuchtet war. Die Wände waren mit schwerem, rötlichem Brokat überzogen und hatten ein ungewöhnliches Muster. Dazu kam, dass auf halber Strecke eine Rekamiere stand, die allerdings mit dunkelblauem Stoff überzogen war. Ansonsten konnte ich nichts erkennen, obwohl der Raum noch größer war. Zumindest ging ich davon aus, denn das Mobiliar war einfach zu gering. Leider konnte ich durch den Winkel nicht mehr sehen. So wie es aussah, hatte man das Gegenstück meines Spiegels an einen anderen Ort gebracht und wahrscheinlich war er die ganze Zeit abgedeckt gewesen, um ihn vor Beschädigung zu bewahren. Das erklärte zumindest die Dunkelheit ...
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