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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
Marie in einer Ecke hinter Klara stehen blieb. Sie war wohl nicht dazu eingeladen worden mitzuspeisen und würde uns nur im Bedarfsfall bedienen. Ich beugte mich vor und wollte mir gerade eines der kleinen Häppchen nehmen, als ich sah, wie Klara ihren Kopf heftig hin und her schüttelte, was Klara nicht sehen konnte. Ohne zu wissen warum, ließ ich meine Finger weiter kreisen und achtet dabei genau auf Marie. Bei einem der nächsten Stücke nickte sie und ich nahm davon. Es schmeckte sehr gut, war eine kleine Pastete mit Geflügelfleischfüllung. Sehr zart und geschmackvoll. Klara nahm von dem, was ich mitgebracht hatte und lies es sich auf der Zunge zergehen. Mehrer Stücke folgten und ich achtete genau darauf, wie Marie reagierte. Sie lotste mich sozusagen zu bestimmten Köstlichkeiten, wobei ich nicht erkennen konnte, warum. Klara nahm auch von den Eigenen, hielt ich aber von denen fern, die mir Marie anzeigte, nicht zu essen. Ich war noch nicht halbwegs gesättigt, als Klara auf einmal doch eines derer nahm, die ich nicht essen sollte. Sie tat es auch nicht, sondern hielt es vor mich hin und säuselte mit einer mehr als freundlichen Stimme: "Bitte, das müsst ihr einfach probieren. Ich habe es extra für euch herstellen lassen. Normalerweise bekommt man es nur am Hofe von Königen. Es ist viel zu kostspielig für normale Leute wie uns. Aber bei euch haben wir einmal eine Ausnahme gemacht. Es roch köstlich, eine Fischfarce auf einer Art Keks mit ein paar schwarzen Kügelchen darauf, die ... wie Kaviar aussahen. Wieder sah ich aus dem Augenwinkel, wie Marie ihren Kopf schüttelte, sogar noch stärker als zuvor. Wenn sich nicht aufpasste, musste es selbst Klara sehen. Ich roch noch einmal daran, sagte aber: "Es riecht so köstlich, leider habe ich aber schon so viel gegessen, dass ich befürchte, dass ich platzen werde, wenn ich es noch zu mir nehme. Wir wollen es aber nicht verkommen lassen. Bitte esst ihr es!" Klara war von dieser Antwort nicht sonderlich erbaut. Man konnte ihr ihre Enttäuschung gut ansehen. Sie verzog kurzweilig ihr Gesicht und legte das Stück wieder zurück. "Ich würde ja zu gerne, leider vertrage ich keinen Fisch. Dann probiert wenigstens dieses Stück!", meinte ich und griff zu einem anderen Stück, was mir Marie ebenfalls negativ angezeigt hatte. "Oh danke!", entgegnete mir Klara, "ich kann leider nicht mehr. Eine Frau sollte auf ihrer Figur achten, damit die Männer sie begehren. Wenn ich zu sehr auseinandergehe, werdet ihr mich nicht mehr mögen und euch einer anderen zuwenden!" Innerlich musste an die beiden im Keller denken. Dabei fragte ich mich, ob sie ebenfalls ein solches Abendessen bekommen hatten. Die Wahrscheinlichkeit war hoch. Vielleicht war es auch der Grund, warum Klaras Eltern nicht da waren. Sie würden zurückkommen mit der Hoffnung, dass eine dritte Kiste gebraucht wurde. Aber diese Erwartung wollte ich ihnen nicht erfüllen. Stattdessen schenkte ich Klara ihr Glas nach, welches sie bereits ausgetrunken hatte. Sonst hatte sie sich ...