1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    wieder, woher ich ihn kannte. Sofort kam die Erinnerung wieder und ich hätte mich beinahe übergeben. Dieser Geruch war definitiv einer von denen, die man nicht vergisst. Als Jugendlicher hatte ich einen Freund gehabt, dessen Vater ein Bestattungsinstitut hatte. Dieser hatte uns einmal mit zu einer Umbettung genommen, denn wir fanden es aufregend und wollten es uns unbedingt einmal anschauen. Normalerweise fand so etwas unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, doch wir durften dabei sein. Es ging auch alles soweit gut, der Sarg war noch relativ neu, und als er mit Hilfe eines Gabelstaplers und mehrere Seile aus dem Grab gehoben wurde, verlief auch noch alles normal. Aus irgendeinem Grund drehte aber der Gabelstapler zu schnell, da der Staplerfahrer sich am entsprechend Hebel verheddert hatte. Mit Schwung drehte sich das Fahrzeug und der Sarg rutschte aufgrund dieser plötzlichen und zu schnellen Drehung aus den Seilen. Dieser Belastung war die Kiste nicht gewachsen. Sie prallte mit einem Ende auf den Boden und sprang auf. Dummerweise landete der Sarg keine drei Meter von meinem Freund und mir auf dem Boden und wir standen im Wind. Der Anblick von dem, was uns da entgegenkam, war wenig erfreulich, um es einmal nett zu formulieren, aber der Geruch war nicht zu übertreffen. Ich glaube, diesen werde ich niemals vergessen. Genau diese Begebenheit kam jetzt wieder hoch und ich erkannte den Geruch von verwesendem Fleisch. Ich war nur froh darüber, dass ich am Morgen nur wenige ...
    gegessen hatte, von daher kam es mir nicht gleich hoch, auch wenn ich würgen musste. Als Zweites schoss mir in den Kopf, dass bei dem belauschten Gespräch am Ofen die Rede von zweien gewesen war, die beseitigt worden waren. Da würde sich damit decken, dass hier zwei Kisten standen. Auch kam mir wieder in den Sinn, dass Elisabeth mit irgendwem geredet hatte, als sie in dem Raum gewesen war. Zumindest war es mir so vorgenommen. Wenn ich mir jetzt alles im Kopf zusammenpuzzelte, konnte es nur eines bedeuten. Zwei Leichen rotteten hier unten vor sich hin, waren hier zur Sicherheit deponiert, genauso sicher, wie das Gold. Um einen Beweis zu haben, blieb mir nur eine Möglichkeit. Ich musste den Deckel anheben. Auch wenn es mir überhaupt nicht gefiel. Ich zog meinen Pullover so hoch, dass er mir über die Nase reichte, um möglichst wenig von dem wahrscheinlich mehr als üblen Geruch einzuatmen, dann holte ich noch einmal tief Luft, legte meine Hände seitlich an, damit man die Abdrücke im Staub nicht gleich sah, und hob den Deckel leicht an. Er ließ sich leichter öffnen als erwartet. Dafür war das, was ich sah und doch roch, nicht so leicht zu ertragen. Zum Glück starrte ich nicht gleich auf den Kopf, sondern mehr oder weniger auf die Füße, die mehr dabei waren, sich aufzulösen. Schnell ließ ich den Deckel wieder herunter, brauchte nicht mehr sehen. Mir kam auch so schon die Suppe hoch. So schnell es ging entfernte ich mich von der Kiste und war mir sicher, dass mich in der anderen nicht ...
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