1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    tatsächlich glaubte. Immerhin war es für sie schon sehr spät, denn normalerweise lag sie um diese Zeit längst im Bett. Gespielt kraftlos ging sie zu ihrem Bett zurück und legte sich hin. Auch ich machte meine Augen zu und schlief ruhig und fest ein. Als ich wieder aufwachte, schlief Klara noch. Ich wollte sie nicht wecken und schlich mich daher leise in die Küche, um mir einen Kaffee zu kochen. Ich liebe diese Zeit, wenn man noch im Bademantel am Küchentisch sitzt, gedankenversunken in den Morgennebel schaut und darauf wartet, dass das Wasser kocht. Wenn ich schon einen Kaffee trinke, muss er selbst aufgebrüht sein. Dabei kann ich nicht einmal sagen, ob er dadurch wirklich besser schmeckt, als einer aus der Kaffeemaschine. Es ist das Ritual darum, der dieses Getränk sinnlich macht. Papierfilter in den Träger, Kaffeepulver hinein und dann zu schauen, wie das Wasser darin versickert. Dann nachschütten und zuhören, wie die Tropfen in die Kanne darunter plätschern. Ist die letzte Flüssigkeit versiegt, nimmt man eine Nase voll von dem aufsteigenden, frischen Aroma. Wenn dieses herrliche Getränk in die Porzellantasse fließt und langsam den Boden unsichtbar macht, dann ist es Zeit sich zu setzten und ihn zu veredeln, wenn man möchte. Ich persönlich mag ihn am liebste so wie er aus der Kanne kommt. Ich finde immer, dass man nur so die Vielfalt der Aromen erleben kann. Schon die länge der Röstung kann aus derselben Bohne etwas vollkommen anderes machen. Um es mir noch schöner zu ...
    machen, toastete ich mir vier Scheiben Toast und versah zwei davon nur mit Butter, die anderen beiden mit Butter und einem Hauch von hervorragender Erdbeerkonfitüre, die ich mir auf dem örtlichen Markt kaufte. Der Geschmack kam noch von Erdbeeren und keinen Bakterien, die genetisch verändert wurden, dass sie den entsprechend Geschmack erzeugten. Gedankenversunken saß ich da und starrte wohl eine halbe Stunde lang aus dem Fenster und sah der Sonne dabei zu, wie sie langsam aufging und den Nebel vertrieb. Eigentlich ging es mir sehr gut. Klagen konnte ich wirklich nicht, worüber auch und ich fragte mich wirklich, ob ich das alles aufgeben wollte. Wofür nur. Für eine Welt, die ich nicht einmal kannte, eine Welt, in der ich eigentlich nichts zu suchen hatte. Würde ich gar den Lauf der Zeit verändern. Dabei war ich mir nicht einmal sicher, ob es wirklich unsere Vergangenheit war, die sich dort abgebildet hatte. Es konnte genauso eine vollkommen andere Welt sein, ein Paralleluniversum ein ganz anderer Planet, irgendwo in den weiten des Alls. Diese und ähnliche Gedanken, gingen mir durch den Kopf und ich verfiel über das Grüblen in eine Art Hypnose, aus der ich nur langsam wieder erwachte. Die Erde hatte mich wieder und ich atmete einmal tief durch, nahm das letzte Stück von meinem Toast und brachte das benutzte Geschirr zur Spülmaschine. Als ich auf die Uhr sah, wurde mit erst bewusst, dass ich dort länger als sonst gesessen hatte. Warum auch nicht. Ich hatte in dem Sinne nichts vor, ...
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