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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
zu haben. Sie hielt wie immer ihren Kopf gesenkt und kam nicht mit der Sprache heraus. "Marie, was ist los? Hast du noch etwas auf dem Herzen?" Noch immer wusste sie nicht, was sie sagen sollte und ich musste sie ein weiteres Mal dazu ermutigen. "Marie, bitte, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Bitte, wenn du etwas möchtest, dann sag es mir!" So gesehen hatte ich wirklich keine Zeit. Ich wollte zum Münzhändler und die bestellte Ware abholen. "Herr Christoph hat mir vor einigen Tagen versprochen, sich an meiner Mitgift zu beteiligen. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob er sein Versprechen noch hält. Wisst ihr, ich, gab ihm etwas sehr Wertvolles von mir und ich wäre sehr traurig, wenn ich das Versprochene nicht bekommen würde. Obwohl ich es wahrscheinlich gar nicht mehr brauche. Mein Verlobter hat die Verbindung getrennt, weil es glaubt, dass ich doch nicht die richtige für ihn bin!" "Oh, das tut mir leid!", kam von mir und es tat mir wirklich leid. Immerhin hatte sich Marie bereits sehr darauf gefreut und alles in eine Waagschale geworfen. Dabei hatte ich wirklich vergessen, ihr das Versprochene zu geben. Es war mir sehr unangenehm. Dafür wurde ich gleichzeitig neugierig, was denn vorgefallen war. "Wie kam denn das?", fragte ich sie und sie sah zum ersten Mal auf. "Ach wisst ihr, es war so schön mit Herrn Christoph und ich habe es sehr genossen. Ich habe mir gedacht, das ich mit meinem Verlobten auch einmal Freude haben könnte. Es kam ja nicht mehr darauf an. Also habe ich ... ihn dazu gebracht das mit mir zu machen, was Herr Christoph mit mir gemacht hat. Aber es war nicht gut, ganz und gar nicht. Er hat nur schmerzhaft in mir herumgestochert und mich dabei so behandelt, als wenn ich nur ein Stück Fleisch wäre. Als er dann noch viel zu früh fertig war, hat er gemeint, dass es an mir liegen würde. Außerdem könnte er mich ja jetzt nicht mehr heiraten, denn ich wäre ja keine Jungfrau mehr!" Was für eine Logik dachte ich nur und konnte Maries Schwermut sehr gut verstehen. Sie hatte es gut gemeint, hatte gehofft, durch ihren hohen Einsatz ihr Glück zu finden. Stattdessen hatte sie nichts als Trümmer vor sich. Marie war so verzweifelt, dass sie mir diese ganze Sache sogar erzählte. Im normalen Zustand hätte sie sicher kein Wort über die Lippen bekommen. "Marie, mache dir darüber keine Sorge. Herr Christoph hat mir selber gesagt, dass er für dich sorgen wird. Deine Mitgift wirst du bekommen, ganz bestimmt und sicher mehr als du dir denkst. Wahrscheinlich so viel, dass du einen anderen Mann ehelichen kannst, der nicht so dumm wie dein vorheriger ist. Ein so hübsches und freundliches Mädchen wie dich, darf man nicht einfach verlassen. Er weiß gar nicht, was er da verpasst!" Über Maries Gesicht ging ein Leuchten. Sie sah das erste Mal auf und hatte einen zuversichtlichen Ausdruck aufgelegt. "Vielleicht ist es auch besser so!", meinte sie und wollte gerade wieder gehen. Doch dieser Ausspruch kam mir seltsam vor. Das wollte ich genauer wissen. "Wie meinst du ...