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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
darauf wartete, dass ich mich darum kümmerte. Stundenlang saß ich dabei erst die Lackschicht abzubrennen und das Holz zu schleifen, bis keine Reste mehr zu sehen waren. Wie Menschen darauf kamen, so einen wunderbaren Werkstoff so vollzukleistern, dass man ihn nicht mehr erkennen konnte, war mir ein Rätsel. Bei Möbeln aus Presspappe war es mir egal, aber hier nicht. Ich erfreute mich besonders daran, wenn unter der Schicht noch handwerkliches Geschick zutage trat. Nur noch bei diesen Möbeln fand man die alten Techniken, die es heute nicht mehr gab. Wenn ich ein Möbel fand und dieses Schubladen hatte, sah ich mir diese immer zuerst an, da die Laden meistens nur vorne lackiert worden waren. Der Korpus selber blieb, wie er war, besonders die Außenseiten, die man nur selten zu Gesicht bekam. Hier konnte man schnell erkennen, ob wirklich alt oder auf alt getrimmt. Fünf Stunden später war ich damit fertig, besah mir mein Tagewerk und befand es für gut. Ich würde es am nächsten Tag einölen und damit die Maserung erst richtig zur Geltung bringen. Darauf freute ich mich schon sehr, wollte aber an dem Tag nicht mehr damit anfangen. Stattdessen ging ich nach draußen, denn das Wetter war trocken. Ab und zu kam die Sonne hervor und ich beschloss, einmal durch den Stadtpark zu gehen. Frische Luft in Verbindung mit hellem Sonnenlicht, würde mich wieder munter machen. Es war herrlich und ich nahm mir vor, es öfters zu machen. Besonders gefiel es mir, auf einer Bank zu sitzen und den anderen ... vorbeilaufenden Menschen zuzusehen. Durch das gute Wetter waren mehr als sonst unterwegs und es wurde niemals langweilig. Später lief ich über eine lange nicht gemähte Wiese und pflückte einige Blumen, um sie mitzunehmen. Ich fand, dass ich sie Klara mitbringen könnte, denn in einer entsprechenden Vase würden sie ihrem eher tristen Zimmer etwas Gemütliches geben. Als ich zuhause war, suchte ich nach einer entsprechenden Vase, fand sogar eine und stellte die Blumen hinein, dann noch Wasser drauf und ab ins Schlafzimmer. Klara war im Moment nicht da und ich schob meinen Arm durch die Scheibe, um die Blumen auf einen der Beistelltischchen zu stellen. Zufrieden mit meinem Werk stand ich noch einen Moment lächelnd vor der Scheibe und empfand eine wohlig Wärme. Ich war mit mir zufrieden und konnte diese körperlich fühlen. Genau in diesem Moment kam Klara ins Zimmer. Ich verhielt mich vollkommen ruhig und wollte sehen, wie sie den Blumenstrauß entdeckt. Das tat sie auch, aber ihre Reaktion war anders als erwartet. Sie kam zum Tisch und sah ohne Gesichtsregung zum Strauß herunter. "Christoph?", fragte sie einmal und wollte damit wohl herausbekommen, ob ich gerade zusah. Aber ich antwortete nicht, hielt mich zurück, ohne zu wissen, warum. Noch einmal sagte sie: "Christoph?", wobei es eindringlicher klang. Als wieder keine Antwort kam, griff sie nach dem Strauß hob ihn aus der Vase und ging damit in den hintersten Winkel ihres Zimmers. Hier war eine Art Papierkorb, das wusste ich und ...