1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    genau dort hinein warf sie den Strauß. Mir tat es einen Stich ins Herz. Sicher, man musste nicht alles mögen, aber trotzdem hatte ich mit dieser Art von Handlungsweise nicht gerechnet. Ich setzte mich auf mein Bett, denn noch durfte ich mich nicht zu erkennen geben. Klara hätte es sofort gemerkt, dass ich schon zuvor dort gewesen war. Eine halbe Stunde wartete ich ab und schlich zur Tür. Diese warf ich lauter zu als sonst damit Klara es hörte. Ihr Kopf ging sofort in meine Richtung und ein Lächeln trat fast automatisch in ihr Gesicht. "Hallo Christoph, schön das ihr wieder da seid! Wie war euer Tag?" "Ich kann nicht klagen, alles in Ordnung. Ich sehe gerade, der Strauß, den ich für dich gepflückt habe, ist ja gar nicht mehr da?" "Nein, tut mir Leid!", sagte Klara und machte ein unschuldiges Gesicht dazu. Ich bin leider gegen ihn gekommen und da ist die Vase umgekippt. Ich habe mich so erschrocken, dass ich einen Schritt gemacht habe. Dabei bin ich leider auf den Strauß getreten und er war nicht mehr zu retten. Entschuldigt mich bitte!" Klara log mich an, ohne dabei rot zu werden. Dass sie nicht ganz ohne war, war mir schon lange bekannt, aber das sie selbst bei einer solch unwichtigen Sache das Blaue vom Himmel herunter flunkerte, konnte ich nicht verstehen. Sie hätte mir doch sagen können, dass sie ihn nicht gemocht hatte. Ein schaler Geschmack machte sich bei mir breit. Was war erst, wenn es um die wichtigen Dinge des Lebens ging. Würde es dann auch so sein. Ich wusste es ...
    nicht. Nur die Sorge darum blieb im Hintergrund haften. "Ist schon gut. Kann ja passieren. Hauptsache dir ist nichts passiert!", meinte ich zu ihr, und wenn sie mich in diesem Moment gesehen hätte, wäre ihr aufgefallen, dass mein Gesicht Enttäuschung ausdrückte. "Was ich euch noch fragen wollte, Christoph. Würdet ihr mir die Freude machen, heute Abend mit mir zu speisen? Vater und Mutter sind nicht da und ich möchte euch ein wenig verwöhnen. Die Aussicht auf etwas Leckeres wischte die Enttäuschung aus meinem Gesicht. Natürlich wollte ich, denn ich war gespannt darauf, was es geben würde und wie es zubereitet war. "Könntet ihr dazu noch etwas Wein mitbringen. Am liebsten jenen, den ich so gemocht habe. Ich glaube, er würde mir wieder schmecken. Zumindest möchte ich es ausprobieren!" Ich sagte zu und freute mich schon darauf, denn es hörte sich einfach nur gut an. Am Abend zog ich mir die Sachen an, die Klara für mich gekauft hatte und stieg mit zwei Weinfalschen, zur verabredeten Zeit, durch den Spiegel. Einmal sah ich mich um, hatte gehofft, dass Klara mich abholen würde, aber sie war nicht da. Also ging ich davon aus, dass sie irgendwo im Haus war. Ich öffnete die Tür und lauschte nach verräterischen Geräuschen. Nur ein ganz leises Singen oder Summen kam mir an die Ohren und ich war mir nicht sicher, aus welcher Richtung es kam. Also verließ ich mich auf meinen Instinkt und ging einfach geradeaus, bis ich zu der Tür des Spiegelraumes kam. Hier öffnete ich die Tür und lauschte ...
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