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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
gründlich zu lüften, fiel mein Blick auf den Spiegelrahmen. Zu meinem Schrecken war bereits die Hälfte des Blattgoldes abgeblättert. Er sah mehr als schäbig aus und ich versuchte ein letztes Mal, etwas Neues aufzubringen. Doch es ging nicht. Es hätte mich auch gewundert. Als ich das Fenster zumachte, sah ich wie immer zum Spiegel und erkannte eine Bewegung. Neugierig ging ich weiter vor und wollte sehen, was Klara gerade machte. Zu meiner Überraschung war es aber nicht Klara, sondern ihre Mutter. Zuvor hatte ich sie noch nicht alleine in Klaras Zimmer gesehen, daher wunderte ich mich ein wenig. Wenn ich alles überdachte, hatte sie dort auch nichts verloren. Umso interessanter für mich, was sie dort tat. Sie sah sich langsam und gewissenhaft um. Suchte anscheinend etwas. Wenig später sah sie es. Es stand auf einem der beiden Beistelltische neben dem Spiegel. Mit fünf Schritten war sie da und nahm das Parfümfläschchen andächtig in die Hand. Sie drehte es hin und her, beobachtete dabei die Flüssigkeit darin, wie sie hin und her schwappte. Nur sehr vorsichtig öffnete sie den Deckel und roch daran. So ganz schien ihr der Duft nicht zu gefallen, denn sie verschloss das Fläschchen sofort wieder. Trotzdem hielt sie es noch länger in der Hand. Jetzt hatte ich die Gelegenheit Klaras Mutter genauer zu betrachten. Sie stand in gutem Licht, mehr oder weniger direkt vor mir, und wussten nichts davon. Klara war ihre Tochter, das ließ sich nicht abstreiten. Auch wenn sie dementsprechend ... älter als Klara war, sah sie noch sehr gut aus. Wahrscheinlich hatte sie in ihrem Leben nicht viel gearbeitet, jedenfalls nicht körperlich. So hatte sich ihr Körper in die Gegenwart gerettet, ohne große Einbuße hinnehmen zu müssen. Wenn man sie genauer betrachtet, sah sie sogar noch sehr gut aus. Ließ man also ihren Charakter einmal beiseite, und nahm nur das, was man sah, war sie durchaus attraktiv. Sicher, sie hatte in ihrem Gesicht bereits einige Fältchen, aber die waren nicht sehr tief und gaben ihr einen gewissen Touch, der durchaus als angenehm bezeichnet werden konnte. Alles in allem musste ihr Mann zufrieden mit ihr sein. Ob er mit ihr glücklich war, das stand auf einem anderen Blatt Papier. So wie es aber aussah, ergänzten sie sich gut. Beide hatten dasselbe Interesse. Geld und die sich daraus ergebende Macht, wobei ich den Eindruck hatte, dass es in erster Linie um das Geld ging. Etwas was ich mir für mich nicht vorstellen konnte. Jeden Taler zweimal umdrehen, obwohl man genug davon hatte, entsprach nicht meinem Naturell. Nichts gegen den Notgroschen oder von mir aus auch mehr, aber sollte es mal mit einem zu Ende gehen, konnte man es nicht mitnehmen. Besser man gab es vorher aus, solange man noch etwas davon hatte. Noch einmal dreht Klaras Mutter die Flasche herum und ich war wieder einmal froh, dass ich daran gedacht hatte, das Etikett vorher abzumachen. Es hätte alle mehr als gewundert, wenn sie die Schrift gelesen hätten. Zum Schluss stellte sie das Fläschchen ...