1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    nichts zu erkennen. Ihr Gesicht wirkte weiterhin wie eine Maske, die sie jederzeit beliebig ändern konnte, ohne dabei ihre Emotionen widerzuspiegeln. "Nun gut!", sagte Klaras Vater und lehnte sich fast gemütlich gegen die Rückenlehne: "Klara, du musst selber wissen, was du tust. Herr Christoph scheint ein Mann von Ehre zu sein, ich hoffe du wirst in mit gebührendem Respekt behandeln. Als Schwiegersohn wird er uns willkommen sein!" Als er das sagte, sah seine Frau kurz auf und nickte einmal kurz und knapp mit dem Kopf. Es sah nicht so aus, als wenn diese Entscheidung erst jetzt getroffen worden war. Es kam mir eher vor, als wenn es ein vorher abgekartetes Spiel war. Wahrscheinlich hätte ich mich nicht einmal vorstellen müssen. Die Geschenke und die Aussicht auf mehr Reichtum, machte aus allem ein Geschäft. Wie zuvor spielte die Zukunft und damit die Zufriedenheit ihrer Tochter eine untergeordnete Rolle. "Um es noch einmal deutlich zu sagen. Herr Christoph, ihr seid jederzeit herzlich in unserem Haus willkommen und dürft Klara besuchen, wann ihr auch immer wollt. Ich hoffe, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt!" Deutlicher konnte man es nicht sagen. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit und schon gar nicht so direkt. Es überraschte mich schon etwas und es war nicht einfach, diese Überraschung zu verbergen. Ob man es mir ansah, konnte ich nicht sagen, aber es hätte mich nicht gewundert. Klara sah mich an und lächelte über das ganze Gesicht. Ihre Mutter hingegen ...
    starrte mich an, als wenn sie dem Braten nicht traute. Sie hatte immer noch einen Rest von Mistrauen in sich und konnte dies nicht verbergen. Was mich dabei innerlich lächeln ließ, war die Tatsache, dass sie den Schal dabei krampfhaft festhielt. Es war so stark, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Doch als ich ihr direkt in die Augen sah, war dort noch etwas anderes. Was genau konnte ich nicht deuten. Vielleicht so etwas wie versteckte Interesse. Aber wenn es so war, was war das dann für ein Anliegen. Ein Rätsel, was mir nicht aufgehen wollte. Nach nicht einmal zwei Stunden wurde ich sozusagen entlassen. Es war alles gesagt worden und wir waren uns in dem Sinne einig. Klara war mehr oder weniger mit Einverständnis ihrer Eltern an mich verkauft worden. Anders konnte man es nicht nennen. Der Profit stand an erster Stelle und die beste Aktie in dem Geschäft war ich, eine Anleihe, die enormen Gewinn versprach. Ich erhob mich, verabschiedete mich und Klaras Vater brachte mich zur Tür, während die beiden Damen des Hauses, in dem Raum blieben. Direkt an der Haustür geschah das, was ich zu vermeiden suchte. Klaras Vater machte die Tür auf und Marie rannte fast in mich hinein. Sie kam mit schnellen Schritten angelaufen und konnte nur noch mit einer Vollbremsung zum Stehen kommen. Sie schien nicht ganz bei der Sache zu sein und hatte mich fast übersehen. Sie sah nur einmal kurz zu mir herauf, ging dann aber einen Schritt zur Seite und an mir vorbei ins Haus. Anscheinend hatte sie mich ...
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