1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    sehen. Es wird mir eine große Freude sein!", meinte ich und das war nicht gelogen. Auch in meinen Augen sah es unheimlich gut aus, auch wenn es wahrscheinlich ein Vermögen gekostet hatte. "Ja, ich werde es gleich anziehen. Nicht einmal Mutter hat so etwas Schönes. Es wird aber einen Moment dauern!" Ich glaubte es Klara aufs Wort, dass ihre Mutter so etwas nicht hatte. Ihre Eltern waren sicher nicht arm, aber zu geizig, wobei es wahrscheinlich nicht am Herrn des Hauses lag. Wahrscheinlicher war, dass Klaras Mutter ebenfalls zu sich selber geizig war. Geiz erstreckt sich oft nicht nur auf die anderen. "Doch bevor du dich umziehst, würde ich gerne sehen, was du für mich gekauft hast!" Ich hätte es mir denken können, aber das war für Klara zweitrangig. Sie ging eher lustlos zu dem Paket zurück, zog ein sauber gefaltetes Bündel heraus und kam zurück, um es auf einen der kleinen Tischchen neben dem Speigel zu legen. Kaum erledigt, nahm sie noch einmal das Kleid, was sie die ganze Zeit festgehalten hatte, und drückte es erneut an ihren Körper. "Bitteschön!", sagte sie wie nebenbei und war erneut in der Betrachtung ihrer Erwerbung vertieft. Einmal drehte sie sich noch vor dem Spiegel, dann ging sie wortlos aus dem Raum, wollte sich sicher umziehen. Ich langte mit meinen Armen durch den Spiegel und fühlte den Stoff zwischen meinen Fingern. Sofort zog ich das Bündel zu mir herein und hielt es einem Moment gedankenvoll in meinen Händen. Erst dann zuckte ich einmal mit der Schulter und ...
    machte das Licht im Schlafzimmer an. Es stellte sich heraus, dass Klara meine Größe sehr gut bestimmt hatte, auch sah der Stoff so aus, als wenn sie auch hier keine Kosten gescheut hatte. Ich sollte wohl gut aussehen, wenn ich mich ihren Eltern vorstellte. Nachdem ich in die neue Bekleidung geschlüpft war, sah ich mich im Spiegel an und war ein wenig erschrocken über mich. In dieser Kleidung sah ich älter aus, als ich mich fühlte. Der Stil war in dem gehalten, den ich an Klaras Vater gesehen hatte. Nichts Übertriebenes, eher Schlichtes. Dazu hatte mir Klara auch Schuhe gekauft, die ebenfalls eine silberne Schnalle aufwiesen. Wahrscheinlich der Mode entsprechend. Dumm nur, dass sie etwas drückten. Ansonsten passte alles recht gut. Mehrfach dreht ich mich hin und her, kam mir etwas lächerlich vor, wie Karneval im Sommer, aber warum nicht. Anders würde ich mich nicht sehen lassen können. Klara was sehr schnell gewesen mit umziehen, so schnell, dass ich sie noch gar nicht erwartet hätte. Ich hörte sie auf einmal und machte das Licht aus. Klara sah bezaubernd aus. Das Kleid passte ihr wie angegossen, hob ihre weiblichen Formen hervor und verlieh ihr etwas Erhabenes, fast Majestätisches. Mir blieb für einen Moment wirklich die Luft weg, denn etwas in dieser Art hatte ich noch nicht gesehen. "Nun? Was denkt ihr, hat es ich gelohnt? Natürlich, es war teuer, aber ich finde, das ist es auch wert!" Klara sprach mehr mit sich selber als mit mir, das konnte man genau erkennen. Sie drehte ...
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