-
Lisa, Fluch oder Segen
Datum: 29.03.2017, Kategorien: 1 auf 1,
Butterbrot. Isst man es, während man in der Natur ist, ein Picknick macht, schmeckt es umso besser, wird zu etwas Besonderem. Wie das kommt, kann ich nicht sagen, vielleicht liegt es an der frischen Luft und der Umgebung. Hier im Gras staute sich sofort die Wärme, da der Wind keine Chance hatte, zu uns vorzudringen. Noch während ich kaute, wurde mir warm, wobei es eine schöne Wärme war. Strahlungswärme wie bei einem Kamin. Etwas ganz anderes als bei einer normalen Heizung. Wohlig rekelte ich mich hin und her, nahm einen Schluck aus der Limoflasche und legte mich zurück. Arm hinter den Kopf, einen Strohhalm zwischen die Lippen und ich bediente alle Klischees, die es gab. Aber es störte mich nicht, im Gegenteil, ich genoss es. Ich machte für einen Moment meine Augen zu, spürte dabei die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. "Hey!", sagte Lisa auf einmal, "Hast du nicht schon genug geschlafen?" Ich blinzelte sie an, musste dabei fast direkt in die Sonne schauen. "Ich schlafe nicht, ich verdaue!" "Ah ha, du verdaust. So drückt man das also heutzutage aus, wenn man faul ist. Das muss ich mir merken!" Daraufhin lachte Lisa auf. Sie packte die Sachen ein die wir nicht mehr brauchten, legte sich neben mich und meinte mit einem lächelnden Ton: "Dann werde ich mal überprüfen, ob das mit dem Verdauen der Wahrheit entspricht. Wehe nicht!" Eine viertel Stunde später höre ich sie an meiner Seite maulen. "Also ich weiß nicht. Erstens ist es viel zu warm und zweitens heißt es doch, dass ... Bewegung der Verdauung hilft. Bewege tue ich mich gerade nicht viel. Was hältst du von einem kleinen Spaziergang?" Sie hatte recht. Auch wenn ich körperlich nicht der Meinung war. Wir standen auf, packten sie Sachen und verstauten sie im Wagen. Wir wollten aber noch nicht weiterfahren, denn der Feldweg ging noch um einiges weiter. Wir konnten den Spaziergang hier machen. Also setzten wir uns in Bewegung. Kaum waren wir ein paar Schritte gegangen, griff Lisa nach meiner Hand. Eine einfache, aber zugleich bedeutende Geste. Drückte es bei anderen Menschen doch Zusammengehörigkeit aus. Viele Paare machten es, zeigten allen anderen, wie sie zueinanderstanden. Ich sah Lisa von der Seite an und sie mich, überlegte, was ich machen sollte. Ließ ich es zu, war es ein eindeutiges Zeichen. Unterbrach ich die Verbindung unserer Hände, war es auch eines. Ich ließ es zu, der Tag war schön und ich wollte ihn nicht trüben. Im Prinzip hatte Lisa recht, auch wenn ich es nicht wahr haben wollte. Wenn ich die letzten Tage überdachte, war alles in diesem Sinne. Wir wohnten zusammen, teilten uns ein Bett. Als Wohngemeinschaft konnte man das nicht mehr bezeichnen. Schweigend gingen wir weiter und ich spürte Lisas schmale Hand überdeutlich in meiner. Ich musste zugeben, dass es sich gut anfühlte. Hatte ich diese Empfindung doch lange nicht mehr gespürt. Irgendwann kamen wir an einem kleinen Bach an, der von dem Weg überbrückt wurde. Hier setzten wir uns an das Ufer, zogen unsere Schuhe aus und badeten die ...