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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
noch ein zierlicher Schminktisch mit halbhohem Spiegel darauf. Davor der dazu gehörige Stuhl. Sehr aufgeräumt, fast steril alles, kaum eine persönliche Note, einmal von dem Geruch abgesehen. Fast enttäuscht schloss ich die Tür wieder auf, ging sofort zum Spiegel und schlüpfte hindurch, als wenn ich es schon viele Male getan hätte. Trotz alledem taten sich für mich viele Möglichkeiten auf, die sich zuvor nicht bedacht hatte und je mehr ich darüber nachdachte, umso interessanter kam es mir vor. Ich mich grinsend ging ich in die Küche und macht mir etwas zu essen. Als ich damit fertig war, entschloss ich mich dazu einmal gründlich sauber zu machen. Auch in meinem Schlafzimmer musste ich einmal gut lüften. Zu oft und lange blieb das Fenster verschlossen. Ich öffnete es und sah fast zufällig zum Spiegel herüber. Als ich den Rahmen genauer betrachtete, war ein kleiner Teil der Vergoldung abgeblättert. Also hatte ich doch nicht so sorgfältig gearbeitet, wie ich gedacht hatte. Da es aber mein erstes Mal gewesen war, machte ich mir keine Vorwürfe darüber. Ich ging in den Keller und holte alles Nötige. Wenige später hockte ich auf dem Schlafzimmerfußboden und versuchte die schadhafte Stelle auszubessern. Doch ich konnte machen, was ich wollte. Es wollte einfach nicht haften, so sehr ich mich auch bemühte. Ich verstand es einfach nicht. Zur Probe versuchte ich es an der Innenseite eines Bettpfostens. Hier hielt es sofort und fest, als wenn nichts gewesen wäre. Ein erneuter Versuch an ... dem Rahmen, brachte kein anderes Ergebnis. Es blieb nicht haften. Eine Stunde später gab ich es auf, auch wenn es mich gewaltig störte. Es zerstörte den Gesamteindruck des Rahmens. Da ich Zeit hatte, fuhr ich in die Stadt und kaufte neues Material. Kaum Zuhause kniete ich wieder an alter Stelle und fluchte vor mich hin. Auch damit konnte ich die schadhafte Stelle nicht beseitigen. Es war zum verrückt werden. Einem Mann wie mir, der Präzision am Herzen lag, störte es gewaltig. Aber was sollte ich machen? Die Zeit war dabei so weit fortgeschritten, dass ich mich erschrak, als ich neben mir hörte wie jemand sagte: "Christoph, was macht ihr da?" Klara war zurückgekommen, und da es bei mir wesentlich heller war als bei ihr, konnte sie mich natürlich dabei sehen, wie ich auf dem Boden herum kroch. "Nichts Besonderes. Ich habe nur versucht, etwas zu reparieren. Aber leider klappt es nicht!" Ich stand auf und grinste in Klaras Richtung. "Und wie geht es dir heute?", fragte ich sie, denn mir fiel nichts anderes ein. "Schlecht. Ich glaube, Marie hat mich angesteckt. Meine Haut ist ganz heiß, obwohl ich friere. Ich sollte ins Bett gehen!" "Das tut mir aber Leid!", antwortete und legte eine besorgte Stimme dazu ein. Die traf wohl Klaras Nerv. "Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Ich komme damit schon zurecht. Ein wenig Ruhe und es wird mir wieder besser gehen. Ihr seid ja da, dann könnt ihr mir etwas erzählen. Dann wird es nicht so langweilig. Ich hasse es, nutzlos im Bett zu liegen!" ...