1. Spieglein, Spieglein ...


    Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,

    jetzt abgelehnt hätte. Einem solchen Angebot konnte man nicht widerstehen. Die Tür zu einem Palast war bereits aufgemacht worden und ich war gerade dabei, hindurch zu schreiten. Was wollte ich mehr. Den nächsten Tag kümmerte ich mich darum, größere Mengen an Gewürzen zu organisieren. Im Laden wunderte man sich ein wenig und fragte mich, ob ich selber einen Laden aufmachen wollte. Meine ablehnende Antwort war fast seltsamer, als wenn ich zugestimmt hätte. Aber Geschäft ist Geschäft. Irgendwann fragt man nicht mehr und nimmt es so hin. Zusätzlich kaufte ich in der Umgebung noch ein, was zu bekommen war. Die größere Bestellung würde erst ein paar Tage später kommen. Diese Einkäufe würde mir Klaras Vater noch etwas gewogener machen, davon war ich überzeugt. So gesehen war ich über alle Maße zufrieden. Das Einzige was mir Sorgen machten war der Spiegel, besser gesagt der Rahmen. Schon ein Viertel des Rahmens hatte seine Vergoldung verloren. Es ging leider schneller als ich es gehofft hatte. Unter diesen Umständen würde es nicht lange halten. Je öfter ich durch ihn hindurch ging, umso schneller pellte das Metall ab. Dabei wurde mir eines klar. Es spielte keine Rolle, wie lange ich in der anderen Welt blieb, sondern wie oft ich hindurchging. Jedes Mal wenn ich es tat, blätterte in etwa dieselbe Menge ab. Somit versuchte ich nur hinüberzugehen, wenn es sich auch wirklich lohnte. Nur für einen Moment war es zu schade. Was dem entgegen stand, war Klara selber. Sie war die Verlockung, ...
    der ich kaum widerstehen konnte. Sicher, wir sprachen auch miteinander, ohne dass ich bei ihr war, aber das war nichts im Gegensatz zu dem, wirklich bei ihr zu sein. Es zog mich geradezu auf ihre Seite. Schon die Freude, die sie daran empfand, wenn ich bei ihr war, war für mich eine Entlohnung der besonderen Art. Ich mochte sie über alle Maße hinweg. So intensiv hatte ich es noch bei keiner meiner Beziehungen gespürt. Das musste die wahre Liebe sein. Sehnsucht nach jemandem zu haben war so süß und sauer zugleich. Süß, wenn man denjenigen um sich hatte, sauer, wenn er einem fehlte. Dabei ging es uns beiden so. Wir konnten einfach nicht anders. Schon einen Tag später brachte ich meine neusten Einkäufe zu Klara und sie nahm sie dankend an. Diese würde ihr Vater bekommen, wenn ich wieder weg war. Zuerst schlossen wir uns aber in die Arme, hielten uns fest und wollten gar nicht mehr los lassen. Klara war wieder gesund. Ihre, wenn auch bleiche Gesichtsfarbe, sah nicht mehr so krank und eingefallen aus wie zuvor. Sie war geradezu ein Bündel an Energie, welche sie kaum noch in ihrem Zimmer hielt. Leider konnte ich sie dort nicht mehr heraus begleiten. Noch kannte mich niemand anderes in dieser Welt, von daher, war es mir nicht möglich, mich frei zu bewegen. Lange überlegte ich, wie ich das ändern könnte. Leider fiel mir dazu nur wenige ein. Aber das würde noch kommen. Marie war ebenfalls wieder gesund. Ich konnte sie mehrmals bei Klara sehen und musste immer grinsen, wenn sie sich ...
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