1. Just Kidding Teil I


    Datum: 08.07.2018, Kategorien: Schamsituationen, Autor: Claurel, Quelle: Schambereich

    Just Kidding – Ein etwas anderer Roadtrip »Kings of Leon« direkt nach den 10 Uhr Nachrichten, da hatte so ein emsiger Musikredakteur mal wieder seine »Kreativität« bewiesen. So oder so, die bisher zurückgelegten 500 Kilometer waren die Hölle gewesen. In diesem Mietwagen ohne Klimaanlage, weder CD-Player geschweige denn einem USB-Anschluss, abgenutzten weinroten Ledersitzen und dazu der permanente, künstliche Geruch nach »Tannenfrische« vom hin und her pendelnden Duftbaum am Rückspiegel – nein, Bastian Bux hatte diesmal nicht das große Los gezogen. Schlimm genug, dass ein schlichter Germanistikstudent seine immensen Kosten mit gelegentlichen Transportfahrten wieder reinholen musste; aber dieser Höllentrip nach Hinterpfuiteufel ging gar nicht. Es hatte noch schön geklungen, als sein etwas chaotischer Chef ihn angerufen hatte und mit, für seine Verhältnisse, ruhiger Stimme, eine ganz spezielle Route angekündigt hatte: »Du Basti, kannst ein bisschen Griechisch? Ich hätt' da so einen Auftrag von der Zentrale. Irgendwie ein kleines Kaff in der Nähe von Thessaloniki. Natürlich kriegst 'nen Wahnsinnszuschuss, müsstest halt nur ab Ancona die Fähre rüber nehmen.« Im ersten Moment, besonders als ihm sein Chef den besagten Zuschuss mal vorgerechnet hatte, waren ihm auch noch keine Fragen gekommen, wie etwa: »Warum ging das nicht per Luftpost oder Railcargo?« Oder noch besser: »Worum handelte es sich bei der Fracht eigentlich?« Es war wohl auch Pech dabei gewesen. Vorsehung, wenn es so ...
    etwas überhaupt gab! Aus dem Käfig kamen nun schon seit etwas mehr als dreißig Minuten laute Kreischrufe; Bastian orientierte sich, in der Absicht bei nächster Gelegenheit von der Autobahn zu fahren. Wo war er? Das letzte was er bewusst wahrgenommen hatte, war die italienische Grenze am Brenner. Lange kam kein Schild, dann: »Rovereto Ovest – 5 km«. Er war also schon am Gardasee! Wenige Minuten später fuhr er auf eine Raststätte, die zu so früher Stunde noch wenig bevölkert war. Nur ein paar Fernfahrer und die übliche Motorradclique staksten lustlos im schmalen Grünstreifen am Rande des Parkplatzes. Genervt stieg er aus und holte er das Spezialfutter vom Rücksitz. Dann quälte er sich nach hinten und öffnete den Kofferraum. Die großen, tief orangefarbenen Augen glotzen ihn erwartend an. Mürrisch zog er die Schutzhandschuhe an und schob das Gitter zur Seite. Ein südindonesischer Bindenwaran! Er hatte Angst vor diesem zischelnden Ungeheuer. Zögerlich warf er etwas von dem Futter in den Käfig. Mit einem lauten Schnappen stürzte sich der Waran, er hatte ihn aus einem Anflug von Galgenhumor »Hannibal« genannt, auf die ihm dargebotene Nahrung. Er fragte sich gerade ernsthaft ob das alles vielleicht nur ein Scherz war, ein geschickt eingefädelter Komplott seiner Kollegen, als Rache dafür, dass er sie ständig beim Pokern abzockte, da hörte er plötzlich hinter sich eine Stimme. »Hey! Hallo! Wohin fährst du denn?« Er drehte sich um. Vor ihm stand ein junges Mädchen, etwa in seinem Alter ...
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