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Spieglein, Spieglein ...
Datum: 03.12.2017, Kategorien: Sonstige,
abzubauen. Als ich mit dem nächsten Abschnitt der Geschichte fertig war, hielt ich kurz inne. Klara öffnete ihre Augen und sah erwartungsvoll zu mir herüber. "Was ist? Habt ihr keine Lust mehr?", fragte sie und wartete auf eine Antwort. "Doch, habe ich noch, nur liebe ich es dich ab und zu anzusehen. Du siehst so liebreizend aus, dass ich einfach nicht anders kann!" "Ihr schmeichelt mir. Dabei wisst ihr genau, wie eine Frau sich dabei fühlt. Schämt ihr euch gar nicht?" "Warum sollte ich mich schämen. Die Wahrheit sollte man nicht verschweigen!" Klara lächelte hintergründig und meine mit einer sehr angenehm klingenden Stimme. "Na hört mal, ich bin eine Frau, die bald einen anderen heiraten wird. Es ziemt sich nicht, einer versprochenen Frau solche Komplimente zu machen. Das ist ein Vorrecht des Zukünftigen!" Klaras lächeln wurde zu einem breiten Grinsen. Alleine an der Art, wie sie es ausgesprochen hatte, konnte man genau erkennen, wie sie es gemeint hatte. Sie holte einmal tief Luft und sagte mit einer etwas traurigen Stimme: "Ich glaube mein Zukünftiger wird solche Worte nicht finden. Er ist meinem Vater viel zu ähnlich. Raffen, was es zu raffen gibt. Egal wie und mit oder gegen wen, auch immer. Ihr seid da sicher vollkommen anders. Hoffe ich zumindest!" Ich ließ die halbe Frage offen stehen. Natürlich mochte ich Geld, wenn es im Moment auch eher spärlich floss. Aber das spielte keine große Rolle für mich, denn erstens bin ich ein bescheidener Mensch und zweitens habe ich ... genug auf der hohen Kante, um so zu leben, wie ich es bevorzuge. Keinen Reichtum, aber es reicht für mich und meine niedrigen Ansprüche. Stattdessen fragte ich nur. "Möchtest du, dass ich noch etwas anders vorlese?" Die Frage war eigentlich überflüssig. Natürlich wollte Klara. In dieser Hinsicht war sie unersättlich. Immerhin hörte sie des Öfteren etwas Neues. Dann merkte ich, dass sie ihr Ohre besonders spitzte und sich nur noch auf meine Worte konzentrierte. Kam so etwas noch einmal vor, baute sie es in ihre Bilder mit ein. Plötzlich, während ich weiterlas, hörte ich sie mich ansprechen: "Wie ist es eigentlich bei euch. Ihr kennt das doch alles, was ihr vorlest. Berührte es euch überhaupt noch?" Ich legte den Reader zur Seite und überlegte einen Moment. "Natürlich bewegt es mich noch. Selbst wenn man dieselbe Sache mehrmals tut, ist sie jedes folgende Mal noch schön und erregend. Natürlich ist es beim ersten Mal am spannendsten. Wie bei vielen Sachen, die man das erste Mal macht. Wenn du etwas isst, was du zuvor noch niemals gegessen hast, macht es dich doch auch neugierig, wie es wohl schmecken wird. Wenn du es gegessen hast, und es magst, wirs du es doch auch beim nächsten Mal noch mit Genuss essen, obwohl du es schon kennst." "Da habt ihr Recht. So hatte ich das noch nicht gesehen!" "Siehst du, du hast mich doch auch mehr als einmal gesehen. Als du mich das zweite Mal gesehen hast, wie ist es dir da ergangen. War es langweilig, hast du es nur angesehen, weil es nichts ...